Vitamin D Rezeptor Blockade

Zusammenfassung: VitD-Rezeptor-Blockade durch EBV/CMV ist eine wissenschaftliche Tatsache. In solchen Fällen wirkt forcierte VitD Gabe immun-suppressiv was gut für Autoimmun-KH (Coimbra) aber schlecht für Krebskranke ist. Die Blockade kann vermutlich durch VitK2 und durch Coimbra-Protokoll durchbrochen werden.

 

Vitamin D Rezeptor-Blockade

vor 2 Jahren bin ich auf Studien gestossen, die mich sehr beunruhigt haben: Vitamin D Rezeptor Blockaden durch EBV und CMV-Infektionen führen bei forcierter VitD – Gabe zu einem immunsuppressiven Milieu.

chronisch mit Listerien infizierter Makrophage. Dieser kann such bei Anwesenheit von 1,25D3 nicht mehr gegen die Listerien wehren. Bakterien verwenden ihn als Taxi und lassen sich im Körper überall herumschleppen –> Studie 2005

Was bei Autoimmun-Erkrankungen wie zB Multiple Sklerose durchaus erwünscht sein kann – und sogar einen Teil der Wirkung des Coimbra-Protokolls erklären könnte – ist für Krebs-Erkrankte katastrophal:

Fresszellen können ihren Job nicht mehr erfüllen.

Im Gegenteil: sie sind so „behindert“ dass sie sogar von den Bakterien befallen werden –> siehe Bild daneben.

 

 

 

CMV dreht am VDR-Mechanismus rum

Zytomegalie-Virus verändert den intrazellulären VitD-Stoffwechsel und blockiert angeborenes Immunsystem –> 2016er Studie (FullTextPDF)

Der Zytomegalie-Virus dreht an den für den Vitamin D Stoffwechsel notwendigen Cytochrom-Oxidasen rum,

sodass es

zu einer völlig überdrehten Aktivierung von Calcidiol (25D3)  zum  Calcitriol (1,25D3) kommt (+970%)

und dann aber auch gleich zu einer fast kompletten Hemmung des intrazellulären Abbaus des Calcitriols kommt (-97%)

sowie zu einer Expressions-Hemmung des Vitamin D Rezeptors um -88%

Zusammengefasst: wer eine aktive CMV-Infektion hat, braucht sich nur noch um weniges Sorgen zu machen, denn sein Körper ist jetzt „geöffnet“ für alle Parasiten, Borrelien und andere Viren.

Das „angeborene Immunsystem“ ist praktisch abgeschalten und er wird von jedem und von überall Infektionen aufnehmen und diese in seinem Körper hegen und pflegen.

 

was macht denn dieser ominöse Vitamin D Rezeptor eigentlich überhaupt ....

VDR ist ein

  • nukleärer Steroid-Hormon-Rezeptor, wie die Rezeptoren für Estrogen, Progesteron, Cortisol, ….
  • transkribiert TAUSENDE Gene

–VDR kontrolliert die Expression antimikrobieller Peptide

Dazu interagiert er mit dem TOLL-like-Rezeptor 2 – dieser erkennt Bakterien über „Lipopolysaccharide“ und ist somit 

  • hauptverantwortlich für „INNATE IMMUNITY
  • Mutation des VDR: führen immer zu Krebs + Immunschwäche (+ Rachitis)

 

Vitamin D in der Onkologie

  • 30ng/ml vs. 17ng/ml verdoppelt ÜL-Chance MamCarc

Anticancer Research March 2014: 34(3); 1163-1166

  • Verbesserung Risiko und Prognose auch bei fam. Disposition

BMJ2014;348:g3656

  • Verbesserter VitD3 Spiegel vermindert overall Mortalität – egal welche Todesursache: -8% pro 20ng/ml Steigerung des VitD

Ageing Res Rev. 2013 Mar;12(2):708-18

 

hierzu hab ich eine eigene Seite geschrieben: Vitamin D und Krebs

 

die oben präsentierten Daten und Studien betreffen das angeborene Immunsystem. Dieses benötigt kein Training, damit kommt man auf die Welt.

Angeboren sind heftige Reaktionen gegen Lipopolysaccharide (Bakterien-Zellmembranen) und gegen manche Viren-Bestandteile. Das muss man nicht erst lernen – durch Kontakt (wie zB eine Impfung), damit kommt man auf die Welt. Dieses Immunsystem ist auch für die Herxheimer Reaktion verantwortlich.

Aber auch das erworbene Immunsystem wird durch eine „VDR-Blockade“ immunsuppressiv gestellt

Erworben nennt man dann Immunreaktionen die stattfinden wenn das Immunsystem mit etwas „Fremden“ in Kontakt gekommen ist.

Dafür haben wir (vereinfacht) B-Zellen, diese machen Antikörper und T-Zellen, welche Virus-befallene Zellen direkt auflösen können. 

Gesteuert werden diese Reaktionen über „Duftstoffe“ im Gewebe, die s.g. Zytokine. Hierzu gibt es natürlich immer immunaktivierende Zytokine oder immunsuppressive

Die Grundeinstellung des erworbenen Immunsystems läuft aber über die Anzahl an „regulatorischen T-Zellen“. Ich nenne die TRegs die „Meisterzellen der Immunsuppresion„. 

  • wer viele TRegs hat neigt zum Krebs, wer zu wenige hat zur Autoimmunerkrankung.

Sowas misst man – in Österreich sogar auf Kassenkosten – mit einer Immun-Subtypisierung – für die Mikroimmun-Therapie (Labor Dostal, Wien).

Beispiel einer Immuntypisierung bei einem erschöpften Patienten

Hier habe ich so eine Messung aus meinem Vit-D – Rezeptor Vortrag abkopiert:

Die Überschriften sind – typisch für einen Vortrag von einem Arzt für Ärzte – konzentrierte Abkürzungen. Unter dem Foto ist die genaue Erklärung was die Grafik bedeutet.

Patientin seit 2010 arbeitsunfähig, leidet an Fibrmyalgie und Erschöpfungs-Syndrom.
Immun-Subtypisierung zeigt „Erschöpfung“ des an sich heftig kämpfenden Immunsystems mit langsam ins Krebs-permissiv drehende Milieu (Suppressorzellen und TRegs hoch, NK-Zellen niedrig)

 

Nun: Studien zeigen, dass durch 1,25D3 die TRegs hochgedreht werden. Super bei MS aber schlimm für Krebs.

Hier nur einige der recht aktuellen Studien

 

Zusammenfassend:

EBV und CMV – aber auch andere Infektionen – stören den Vitamin D Stoffwechsel und führen zu einer überdrehten Umwandlung von 25D3 in die aktive Form des 1,25D3. 

Dies führt zu einer Immunsuppression. Erwünscht bei Autoimmun-KH, unerwünscht bei Krebs!

 

Wohlgemerk: wir sprechen von intrazellulären D3-Spiegeln, diese müssen nicht unbedingt auch extrazellulär so abgebildet sein.

Trotzdem kommt aus der Ecke von Dr. Trevor Marshall der Hinweis, dass eine deutliche Erhöhung der 1,25D3 Spiegel im Blut – im Verhältnis zum 25D – ein Hinweis für eine derartige VitD-Rezeptor-Blockade sein könnte.

initiale Immunsuppression wohl der Grund für die Anfangs-Probleme der Coimbra-Patienten

Coimbra's haben oft Anfangs-Probleme / Infekte

viele MS-Patienten unter Hochdosis-VitD (Coimbra-Protokoll) berichten in den ersten Monaten vom Ausbruch von Herpes-Infektionen. Wir sehen Herpes Zoster, Herpes simplex und auch EBV-Reaktivierungen in der Praxis – die wir v.a. mit Lysin und Heidelbeeren behandeln, ich mags nicht so die Ebenen zu vermengen und mit Homöopathie (Rhus-t, Sep, Nat-m …..) „dagegen“ zu halten, hier ziehe ich dann den orthomolekularen Ansatz vor.

Manche Coimbra-Patienten haben auch eine kurzfristige/temporäre Reaktivierungen ihrer MS-Symptomatik.

Meine Vermutung ist ja, dass bei dieser Erkrankung eine Vielzahl an Auslösern vorliegt: Schwermetalle, Parasiten, Viren, …. die dann als Trigger wie auch als Haptene die Erkrankung auslösen.

Mittlerweile bin ich vom kurativen Effekt des Coimbra-Protokolls überzeugt: längerfristig wird das TH-17 gestörte Immunsystem normalisiert – iniitial dürfte der immunsuppressive Effekt über die Treg-Stimulation und Blockade des Respiratory Bursts jedoch überwiegen.

 

VDR-Blockdade: schlimm nur bei Krebs-Patienten und forcierter VitD-Gabe

lange Zeit dachte ich, dass der eigentliche Wirkmechanismus der Coimbra-Protokoll-Therapie das bedienen dieser VDR-Blockade mit höchsten Dosen VitD sei. Bei den Autoimmunerkrankten ist das Hochdrehen der TRegs sowie der immundepressiven Zytokine (TGF-ß, IL-10 …) sehr erwünscht – ja nachgerade der Auslöser

 

2015 erster Vortrag bei IGMEDT WIEN

Dr. Walter Surböck – begabter Vortragender und genialer Ganzheitsmediziner in Maria Zell

als ich 2015 über diese VDR-Blockade gestolpert bin, habe ich sofort meinen österreichischen Kollegen im Rahmen des IGMED-Kongresses darüber berichtet – das Vortragsmanuskript in gekürzter Form ist hier.

Mein Freund Dr. Walter Surböck – Ganzheitsmediziner in Maria-Zell – ist ein Labor-Freak und misst im Gegensatz zu mir gerne ausschweifend Laborparameter bei seinen Patienten und hat gleich nach meinem Vortrag bei jedem – mittlerweile mehr als 200 Patienten – den 25D3 und 1,25D3-Spiegel gemessen und konnte das Konzept tatsächlich bestätigen:

bei den Patienten, die trotz forcierter VitD Gabe keine deutliche Plasmaspiegel-Erhöhung bekamen, ging v.a. der 1,25D3 Wert hoch und das Zahlen-Verhältnis 25D3 und 1,25D3 war deutlich in Richtung 1,25D3 verzogen.

Also stehen sowohl die zahlreichen Studien als auch die Messungen von Walter Surböck gegen die Aussage von Dr. Dumitrescu, der die „VDR-Blockade“ als Märchen deklariert.

 

Vitamin K2 normalisiert das Verhältnis der D-Metaboliten

Walter Surböck misst alle 2-3 Monate seine Patienten durch und konnte zeigen, dass bei jenen Patienten, die zum VitD auch VitK2 eingenommen haben, in einem Zeitraum von 2-4 Monaten eine „Normalisierung“ des Verhältnisses von 25D3 und 1,25D3 auftritt. Er gibt 200µg VitK / 10.000 IE VitD

Dies beruhigte uns sichtlich, da wir hinsichtlich der VitD-Einstellung der Krebspatienten mit CMV und EBV-Titer ernste Sorgen hatten.

 

Vitamin K2 ist für sich alleine bereits ein Anti-Krebs-Mittel

noch beruhigter sind wir jetzt, da eine kurze Suche in der Pubmed zeigt, dass K2 für sich alleine bereits eine sehr deutliche und pronoucierte Anti-Krebs-Wirkung hat, insb. bei den „austherapierten Prostatakrebs-Fällen„.

 

 

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

2 Comments

  1. Markus Steins sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Retzek,

    wäre Vitamin K nun die Lösung bei einer VDR Blockade? Was kann man dagegen tun?
    Nicht selten gibt es das Feedback, dass nach der Einnahme von hohen Dosen D ein Infekt startet. Spricht es dann für eine Blockade ?

    Vielen Dank
    Markus Steins

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