Übersäuerung fördert Krebs und Metastasierung

ehrlichgesagt war ich immer etwas skeptisch gegenüber dem vielen Entsäuern, welches nach Kombucha und Darmpilz die Naturheilkundliche Szene erfasst hatte.

Heilpraktiker-Skripte wie „Säure: Ursache von Haarausfall, Altern, Krebs und Tod“ haben mich nicht wirklich überzeugen können, als Wissenschaftler brauche ich irgendwas greifbares

Gründe für meine Skepsis gegen forciertes Entsäuern ......

Forcierte Entsäuerung bis zur Alkalisierung des Harnes (pH-Streifen Harn) sind unphysiologisch.

Saurer Harn ist wichtig gegen Harnblasen-Infektionen

Der der Urin wird durch Säuren bewusst bakterienfrei  gehalten, auch wir Menschen „säuern“ Lebensmittel ein um sie haltbar zu machen (Essig-Gurken, Sauerkraut …).

Säure macht den Muskel aktiv

Säure macht Lustig – haben wir schon in der Physiologie gelernt: das „Ansäuern“ der Muskeln ist Grundnotwendigkeit für dessen gutes Funktionieren und ist der eigentliche biochemische Grund für das s.g. „Aufwärmen“ der Sportler:

je saurer ein Gewebe, desto leichter geht der Sauerstoff von den Erythrozyten ab. Gewebs-Säuerung ist notwendig für die Sauerstoff-Versorgung, die Erythrozyten tauschen nämlich einen Sauerstoff gegen ein Kohlendioxid aus (Kohlensäure), dies funktioniert im übersäuerten Gewebe leichter. Zuwenig Gewebssäure heisst dann eigentlich zuwenig Sauerstoff-Versorgung.

Körper ist bestens gegen „Übersäuerung“ geschützt

Weiters: übermässige Säure kann leicht abgeatmet werden: Kohlensäure (besteht aus CO2 und Wasser) ist ein eminent wichtiger Faktor zur Aufrechterhaltung des physiologischen pH von 7.4 im Plasma. Ist mehr Säure im Körper, wird einfach mehr Kohlendioxid abgeatmet.

Weitere säurekontrollierende Gewebe sind die Niere und der Magen: im Magen muss viel Säure erzeugt werden, also bleibt im Gewebe viel Lauge übrig (das Gewebswasser ist ja pH-mässig neutral). Diese Lauge wird wohl zur Entsäuerung des Mageninhaltes im Dünndarm verwendet, trotzdem wird bei der Auflösung der Nahrung durch Salzsäure einiges an Säure-Äquivalenzen verloren gehen, d.h. der Netto-Effekt einer Verdauung muss „Entsäuerung“ sein.

Säureblocker im Magen: Calcium und VitB12-Mangel

Säureblocker im Magen greifen hier ein und killen die SÄUREPUMPEN – nicht nur im Magen, sondern im ganzen Körper, diese wirken wohl „Gewebs-Versäuernd“, haben aber v.a. andere schlechte Effekte: 

die Calcium-Aufnahme wird gehemmt, dadurch wird dann auch die Vitamin B12 aufnahme gehemmt. (Info aus Ortho-Kurs von Dr. Schroth).

Nun, all das zusammen hatte mich zu keinem „pronauncierten Entsäuerer“ gemacht.

Echte Übersäuerung per se gibt es gar nicht – sondern eine Minderung der „Basen-Reserve“ im Plasma. Der pH bleibt immer gleich im Blut, der Anti-Säure-Schutz wird dadurch geringer. 

Sehr wohl gibt es aber „lokale Gewebsübersäuerung“, wie zB die Laktazidose der Muskeln nach kräftiger sportlicher Betätigung, die schliesslich auch zur In-Effektivisierung der Muskel-Energieproduktion führt und damit zur Ermüdung.

Je saurer der Muskel, desto ineffektiver die Energieproduktion, schliesslich kann der Muskel Zucker nicht mehr vollständig zu CO2 verbrennen sondern nur noch vergären zur Milchsäure, die Übersäuerung im Muskel nimmt weiter zu, die Leistung bricht zusammen.

Oder die Übersäuerung in den Gelosen – sulzige Verhärtungen des Bindegewebes, typisch für Reflexzohnen gestörter Organe oder über Muskelverspannungen.

Hier wirken lokale Basen-Anwendungen oft ganz wunderbar. 

 

Übersäuerung im Krebs

Jetzt aber haben mich neue Studiendaten dazu gebracht, Übersäuerung als einen der Haupt-Krebsfaktoren zu akzeptieren und rigide auf „Entsäuernde Massnahmen“ in der Anti-Krebs-Therapie zu drängen.

Neue Forschungen bestätigen AZIDOSE als zentralen Krebs-Faktor für Auslösung und Aufrechterhaltung des Krebsmileus

in einer eminenten, neuen Studie vom Juli 2011 wurde wieder bestätigt, dass Übersäuerung im Gewebe Krebs begünstigt und antreibt.

im übersäuerten Bereich werden krebswachsstums-fördernde Steuer-Proteine übermässig stark aktiviert

Bis zu 50% des Tumor-Gewebes besteht aus MILCHSÄURE, die dort im hohen Masse im Tumorgewebe anfällt, da Tumore nur die eingeschränkte Zucker-Vergärung für Energie-Produktion durchführen können (siehe meine Haupt-Säure/Basen-Seite),

das Endprodukt der Vergärung ist Milchsäure an, welche in die Umgebung des Tumors abgegeben wird und das umgebende Gewebe deutlich „übersäuert“.

Diese Übersäuerung bewirkt eine dramatische Änderung des Mikromileus sowie des Aktivierungs-Zustandes von bestimmten Tumor-Proteinen.

Rechts daneben eine Grafik aus der hier besprochenen Publikation: je saurer desto aktiver eine tumor-fördernde mitogene Protein-Kinase.

Beim pH von 6.6 im Gewebe – leicht im Tumor erreichbar, da die Milchsäure einen pKs – Wert von 3.9 hat (d.h. konzentrierte Milchsäure hat diesen niedrigen pH, verdünnte Milchsäure einen höheren pH) ist die Aktivität dieser Proteinkinase bereits 250% höher, beim pH von 6.2 – wie er im Tumorzentrum auftreten kann – ist die Aktivität bei 450% hochgeschraubt!

 

Übersäuerung aktiviert ROS aus Mitochondrien

Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass im übersäuerten Gewebe die Mitochondrien viel mehr freie Radikale freisetzen als im normalen pH bereich. 

Diese „Radikalisierung“ des Zell-Mileus führt zur Aktivierung von Steuer-Proteinen (d.h. Phosphyrylierung von mitogenen protein Kinasen)

höhe der Säule zeigt FREIE RADIKALE unter bestimmten Bedingungen an. Es wird jeweils bei pH 7.4 und pH 6.6 gemessen. im Sauren bereich bis zu 500% mehr freie Radikale

Bis zu 500% mehr freie Radikale im sauren Mileu, welche aus den Mitochondrien freigesetzt werden. Freie Radikale sind schliesslich auch Krebsauslöser und Krebs-Unterhalter.

 

 

Weitere Artikel zur Säure auf meiner Homepage

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

6 Comments

  1. Dr. H.-P. Münzing sagt:

    Grammatik und Orthographie sollten Eigenschaften sein, die einen Akademiker auszeichnen, auch Kommata machen sich gut, z.B. vor sondern!
    im hohen Masse ???
    das Endprodukt der Vergärung ist Milchsäure an???
    Phosphyrylierung ???????????????
    protein Kinasen?
    höhe der Säule?
    Es wird… im Sauren bereich?

    Nix für ungut, ich leide an einer Allergie, hervorgerufen durch solche Fehler!
    Beste Grüße
    hpm

    • HeliR sagt:

      Sorry, ich bin leider kein „richtiger“ Ackademicker. Ich hab die ganze Studienzeit in Forrschungslabors verbracht, zumeist mit englischschprechenden Leuten.

      Am Computer hab ich in WordPress kein Rechtscxhreibprogramm, und am Ipad vertippt man sich sowieso ständig.

      Ich versuche aber meine Webpräsenz möglichst Deutschen-Frei zu halten, da mich der Umgangston und das ewige Herumgenörgle in allen BRD-Blogs und Mailing-Listen entsetzlich anödet, Sie sind da leidedr irrtühmlich bei mir gelandet, das war gar nicht beabsichtigt.

      • Iryna Levyzka sagt:

        Sehr geehrter Herr Retzek,

        wir haben mit dem Thema , leider, schon seit 2 Jahren zu tun. Mein Sohn wird immunbiologisch gegen Knochenmetastasen in der Lunge behandelt. Die Übersäuerung ist bei Krebs sehr hoch. Das hat jeder Arzt und jede Klinik , wo wir waren, bestätigt, und zwar, es besteht ein Überfluss der linksdrehendern Milchsäure. Mit Einnahme der rechtsdrehender Milchsäure (Tropfen mit Wasser verdünnt) gelingt es die Übersäuerung zu mindern. Die Molekule der rechts- und der linksdrehender Milchsäure bilden Racemathe.So erfolgt die Neutralisierung der überschüssiger Milchsäure.

        • HeliR sagt:

          das mit der RMS (=rechtsdrehende Milchsäure) – Präparate zB Rechtsregulat oder RMS – Petrasch – wird so in der komplementären Szene gelehrt. Desswegen verwende ich sie ebenfalls in der Krebstherapie.

          Die Erläuterung mit der Razemat-Bildung, die immer dazugeliefert wird, ist mir jedoch weder logisch, schlüssig und habe ich irgendeine richtige biochemische Begründung finden können.

          Das ist so im Sinn von „ich esse linksdrehenden Zucker, jetzt tue ich rechtsdrehenden dazu, dann heben sich die Kalorien auf“.

          Ich verwende daher die RMS aus „Tradition“ und ohne festen inneren Glauben an diese „Razemat-Aufhebungs-These“, halte mich auch lieber an das Basenpulver zum Antagonisieren der Säure, hier gibts tausende Studien.

          Von Prof. Douwes, Bad Abling, kam die Rückmeldung: nach 3-4 Wochen Gabe der RMS verändert sich der Urin und die Leute scheiden auch LMS (Linksdrehende Milchsäure) aus.

          Auch hier fehlt mir noch die Feste Überzeugung des Wissenschaftlers, der Untersuchungen und Studien und weniger Ahnungen und Glaubens-Sätze zur Basis seiner Analysen und Vorgehensweisen macht. Ich habe das Thema aber im Hinterkopf und hoffe irgendwann eine saubere Lösung dafür gefunden zu haben.
          Danke für ihren Beitrag.

  2. Joachim sagt:

    Ich möchte dazu mitteilen, dass die Aminosäure L-Arginin unter aanderem auch für den guten Säure-Base-haushalt im Körper sorgt. Dazu für niedrigen Blutdruck, saubere Adern und vieles mehr. Weitere Infos unter http://www.Aminosäure.org

    • HeliR sagt:

      ein ausgezeichneter Hinweis, lieber Joachim.
      Allerdings – ich recherchiere seit 5 Monaten am ARGININ herum und die chronische orale Gabe von Arginin bei Krebs ist nach meinen Recherchen und auch Ergebnissen aus der Praxis definitiv kontra-indiziert. Arginin findet bei kardiovaskulären KH als Stickoxid-Donator Verwendung, verbessert die Herzdurchblutung und erweitert die Blutgefässe. Genau das wollen sie beim Krebs selber nicht haben.
      Die studien sind relativ eindeutig: nur bei wenigen Tumorarten bringt ARGININ was, bei den meisten Tumor-arten kommt es jedoch längerfristig zu einer erhöhung der Tumor-Durchblutung.
      Ich verwende Arginin nur selten – in höchsten Konzentrationen i.v. zusammen mit Hochdosiertem Vitamin C (über 30g) als „biologische Chemotherapie“, da hier das Stickoxid durch Ascorbinsäure in ein toxisches Produkt umgewandelt wird und dies v.a. bei Tumorpatienten tumortoxisch wirkt – nach Jimmmy Kellers „Tumorex“ (siehe Buch Ellen Brown, forbidden medicine). Meistens kommt es hier dann auch zum Fieber.

      Also: Arginin und Krebs: nach der Mehrzahl der TAUSENDEN Studien – absolut kontraindiziert!

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