Nebenwirkungen bei Methadon Anwendung

Patienten oder Angehörige bringen Methadon-Verwendung durch Überdosierungen in Misskredit.

 

Folgende Artikel zum Methadon sind wichtig / lesenswert:

 

wir verschreiben fortgeschrittenen Krebspatienten Methadon folgendermassen ....

als eine der wenigen Praxen in Österreich verschreibe ich Methadon für Stadium III und Stadium IV Krebspatienten zur Chemo-Adjuvierung.

Wir haben bisher in den letzen Wochen ca. 40 „fremden“ Krebspatienten – aus ganz Österreich zu uns anreisend – ein derartiges Rezept ausgehändigt, ich verwende meinen „freien Tag“ dafür, da ich in der Praxis ja monatelang ausgebucht bin, leider muss meine Frau auch dabei sitzen um die ganze Administration (Befunde einscannen, Unterschreiben der Aufklärungs-Bestätigung …) zu handhaben.

Dabei werden die Patienten und / oder Angehörigen in einem ca 30min dauerndem Gespräch über die „realistischen“ Möglichkeiten sowie die möglichen Probleme und Nebenwirkungen der Methadon-Verwendung aufgeklärt.

Die Patienten bzw. Angehörigen unterschreiben danach eine Aufklärungs-Bestätigung: “ …. dass sie sich bewusst sind, ein starkes Opioid und Suchtgift zur Krebs-Zusatz-Therapie zu verwenden, welches jedenfalls folgende Nebenwirkungen auslöst:

Schläfrigkeit, Verstopfung, Übelkeit und welches bei Überdosierungen Bewusstlosigkeit oder sogar Atemstillstand und Tod auslöst..“.

Für dieses Aufklärungsgespräch verrechnen wir 70,- sowie 15,- für das Suchtgiftrezept, also niemand kann uns hier eine finanzielle Motivation unterstellen, da dies nicht einmal kostendeckend ist.

Wir sind motiviert durch die Überzeugung diesen weit fortgeschrittenen Patienten noch dienlich sein zu können, gerade auch das Erlebnis mit meinem Vater, dem Methadon gut getan hat ist einer dieser Gründe.

Die Patienten bekommen weiters einen „Beipacktext“ in dem der Inhalt des Aufklärungs-Gespräches zusammengefasst wird. Hier stelle ich diesen Beipacktext als Download zur Verfügung.

 

Negative Rückmeldungen gefährden weitere Methadon-Abgaben

negative Erfahrungen von Krankenhausärzten mit Methadon-Patienten

1. unangebrachte Diskussionen mit den Onkologen

Patienten diskutieren jetzt plötzlich mit den Onkologen: „da sie ja Methadon nehmen, würde die Chemo stärker wirken und man sollte daher weniger Chemo nehmen“.
 
Das ist völlig unsinnig. Im besten Fall dreht Methadon die Chemo-Resistenz ab und die tumortoxische Therapie kann wieder wirksam sein. Nicht mehr wurde von Friesen/Hilscher bestätigt bzw. im Labor gefunden. Methadon ist nur mit Chemo zusammen bei den fortgeschrittenen Patienten wirkungs- und sinnvoll. Selbst bei Kinase-Inhibitor-Therapien oder der Immuntherapie ist der Einsatz von Methadon bei schmerzfreien Patienten grenzwertig und fragwürdig. 

 

2. zu rasches Hochdosieren führt zur Somnolenz – Bewusstlosigkeit

Patienten bzw. deren Angehörige dosieren das Opioid derartig rasch hoch, dass der Krebspatient ins Krankenhaus zur Chemo bewusstlos ist und dann dort natürlich auf die Intensiv-Abteilung kommt. Dies ist einmal unter 35 Tropfen und einmal unter 40 Tropfen passiert.
(Hinweis: mit Naltrexone oder Naloxon kann die Überdosierung sofort aufgehoben werden).

Das Aufdosierungs-Schema von Dr. Hilscher mit Steigerung um 5-10 Tropfen pro Tag (in meinem Beipacktext oder meiner Website zum Methadon) ist in dieser Form nur für jene Patienten geeignet, die diese Aufdosierung auch gut vertragen.

Dr. Heinz Mastall, ein langjähriger Methadon-Verwender steigert nur um 2 Tropfen pro Tag, da er unter dem Hilscher Schema zu oft Überdosierungs-Nebenwirkungen gesehen hat.

Wir sind jetzt wegen dieser Nebenwirkungen dazu übergegangen maximal um 2 x 1 Tropfen pro Tag zu steigern, eher noch langsamer.

In unserem Aufklärungsgespräch wird jeder drauf hingewiesen, dass bei stärkeren Nebenwirkungen („Schläfrigkeit, Eintrübung“) für einige Tage Dosis-reduziert werden sollte bis sich der Körper an die Dosis gewohnt hat. Die höheren Dosierungen von über 2 x 20 Tropfen Tagesdosierung sind ja leider für den Chemo-verstärkenden Effekt notwendig.

Dr. Hilscher beschreibt ebenfalls einen derartigen Vorfall

aus dem Vortrag von Dr. Hilscher am Palliativ-Tag 2016: „Die Substanz hat eine ungeheure therapeutische Breite“, ……  „Ein Patient erhielt einmal von seiner Frau anstelle von 2­mal 20 Tropfen 2­mal 20 ml Methadon am Tag. Als sie es gemerkt haben, brachten sie den Patienten ins Krankenhaus. Der meinte nach 18 Stunden Schlaf nur, so gut habe er noch nie geschlafen.“  

„… Da die Substanz eine sehr hohe therapeutische Breite hat und man mit relativ wenig Medikament sehr viel Schmerzen abnehmen kann, liegen die Dosen zwischen minimal 2 x 15 Tropfen bis maximal 3 x 100 Tropfen…. „

 

Prophylaxe: hochdosieren „überwacht“ – d.h. nur wie es gut verträglich ist. Bei Anzeichen von Somnolenz die Dosierung reduzieren.

 

3. Schwere Entzugs-Symptomatik nach Umstellen auf ein anderes Opioid

in einem Telefonat mit dem Primar der Palliativ Abteilung in Vöcklabruck habe ich erfahren, dass in einem anderen Spital ein Hochdosis-Methadon Anwender beim Umstellen auf ein anderes Opioid einen heftigen „kalten Entzug“ durchgemacht hat, welches die Anwendung von Catapressan (Alphablocker der beim Heroin-Entzug verwendet wird) notwendig machte.

Dies ist nicht deutlich erklärlich, zeigt aber dass wohl tatsächlich unterschiedliche Opioid-Rezeptoren mit unterschiedlichen Wirksamkeiten vorhanden sind. 

Prophylaxe: kein rascher Entzug von Methadon bei prolongierter Hochdosis-Anwendung, prophylaktische Gabe von Catapressan.

 

 

Sekundenschlaf unter Methadon verursacht Autounfall

eine Krebspatientinnen ist unerlaubterweise unter 2 x 15 Tropfen Methadonselber autogefahren und ist eingeschlafen und gegen ein Hinderniss gefahren – gottseidank ohne Fremdschaden oder Personenschaden!

Es ist klar, dass unter Suchtgift-Einfluss das Autofahren nicht erlaubt ist! Jede Versicherung steigt aus – nicht auszudenken wenn eine Person oder sie selber zu schaden gekommen wäre !!!

 

NB: all diese Nebenwirkungen passieren natürlich auch unter anderen Schmerzmitteln aus der KLasse der Opioide. Dies sind keine Methadon-spezifischen Nebenwirkungen. Da aber Methadon zur Chemo-Verstärkung höher dosiert verwendet wird, wären diese Nebenwirkungen wohl bei „normaler, schmerzadäquater Dosierung“ vermeidbar!

 

 

 

 

Daher folgende Stellungnahme von Dr. Retzek

Derartige Vorfälle („bewusstlose Patienten“) führen bei den ohnehin Methadon-kritischen Krankenhaus-Onkologen verständlicherweise zu heftiger Ablehnung von Methadon. 

Der Wunsch der Angehörigen oder Betroffenen nach diesem Strohhalm ist absolut verständlich, es zerreisst uns allen hier an meinen „Methadon-Tagen“ das Herz, wenn wir die oft noch jungen, austherapierten Patienten, einen nach dem anderen erlebe die oft schon monatelang nach einem Arzt suchen, der ihnen diese Option („Chemo-Verstärkung“, „Tumorwachstums-Verlangsamung“) nicht ausredet, weil keine grossen klinischen Studien da sind, die nie kommen werden, weil der Präparatpreis diese nicht erlaubt.

Aber durch schlechte – nämlich inadäquat überdosierte – Anwendung oder durch sinnlose Diskussionen mit den Kollegen im Spital wird dem Methadon als potentielle Option bei fortgeschrittenen Krebspatienten kein guter Dienst getan.

Wenn die Krankenhausärzte überlegen, mich anzuzeigen, weil „… ich die Leute mit Methadon in die Bewusstlosigkeit therapiere …“ ist niemandem gedient!

 

Gibt positive Rückmeldungen auch?

Ja, in der letzten Woche hatten wir von 3 Methadon Patienten gehört, bei denen sehr fortgeschrittene Tumorerkrankungen mit den letzten „Methadon“ Chemos so deutlich zurückgegangen sind, dass die Onkologen selber sehr erfreut waren!

Meine Sekretärin telefoniert praktisch den ganzen Tag und sie meint: 80% der Rückmeldungen sind nicht nur positiv sondern sehr positiv. Die meisten Patienten bedanken sich erneut, weil …. „mir geht es wirklich besser, bin froh es angefangen zu haben“. 

 

Weitere Rückmeldungen per email von uns fremden Methadon-Verwendern bekommen

…..  Wie kann man die richtige Dosierung bei Methadon einstellen? Meine Gattin hat ein ….. karzinom und sie nimmt Methadon seit mitte Juni, früh 20 & abends 30 Tropfen! Allerdings hat sie seit einiger Zeit ein teilweise starkes Zucken am ganzen Körper! Kann es sein, dass die Dosierung zu hoch ist?  ….

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

4 Comments

  1. Sabine Untersberger sagt:

    kann ich nur bestätigen, ich habe mir gedacht bist „du ehrlich“ und besprichst du mit dem zuständigen Urologen welche Meinung er dazu hat, weil bei meinen Mann ja eine Chemotherapie wegen gefundener Knochenmetastasen geplant ist.

    Seine Meinung war mehr als negativ, O-Ton..ich solle das sehr schnell wieder vergessen, für ihn ist dieser „mediale Hype“ grob fahrlässig, und da ist dann guter Rat teuer, weil das Krankenhaus unter Garantie nicht berücksichtigen wird, dass keine weiteren Opioide dazu eingenommen werden sollen…und somit dann den eventuellen Zusatznutzen von Methadon in Verbund mit einer Chemotherapie jederzeit auch verhindern kann..

    und so stellt sich die Frage wie will man das mit dem Methadon händeln, wenn der Arzt dagegen ist..?

  2. Thomas Basten sagt:

    … Methadon ist nur mit Chemo zusammen bei den fortgeschrittenen Patienten wirkungs- und sinnvoll…
    Das darf bezweifelt werden. Dr. Hilscher berichtet von einem Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom, der seine weit fortgeschrittene Erkrankung nur mit Methadon unter Kontrolle hat. Bei langsam wachsenden Tumoren soll Methadon alleine bereits wirksam sein.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Thomas Basten

    • HeliR sagt:

      herzlichen Dank für die Mitteilung. Wir müssen alle unsere Erfahrung poolen, nur so bekommen wir ein realistisches Bild. Ich kann ja zB – im Gegensatz zu Hilscher – von zahlreichen Patienten berichten, die unter Methadon verstorben sind, meine Kollegen aus der DGO sind bei weitem nicht so euphorisch wie Hilscher da sie viele Nebenwirkungen erleben.
      Da wir ja keine adäquate Unterstützung von Systemseite haben (mir wird von Kollegen im Spital im Wesentlichen nur abgeraten um es milde auszudrücken), können wir den Erfahrungspool nur selber füllen. Was immer sie erfahren, bitte berichten!

  3. Sehr Gerda sagt:

    Herr Dr. Retzek,
    bitte machen Sie weiter wie bisher. Sie sind für uns Krebskranke ein Geschenk.
    Ich nehme zwar nicht das Methadon sondern das LDN aber ich würde diese Sachen gar NIE mit einem Onkologen besprechen.
    Vielleicht sollten Sie die Patienten drauf aufmerksam machen, dass das Thema Methadon für viele Ärzten wie ein rotes Tuch ist. Was für mich noch immer nicht verständlich ist. Aber es werden bestimmt einige große Lobbyisten Interesse daran haben, dass das Methadon nicht zu stark auf den Markt kommt. Geld regiert die Welt …. denen sind die Krebskranken egal.

    Daher noch einmal meine BITTE an Sie – machen Sie weiter.

    Mit lieben Grüßen
    Gerda Sehr

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