Methadon als Krebsmittel und Chemo-Verstärker

aus der Schlafmohn-Kapsel wird Roh-Opium gewonnen, welches "natürliches Endorphin" entspricht

in Deutschland wird Methadon als Antikrebsmittel gehyped, weil es Dr. Claudia Friesen an der Uni Ulm gelungen ist, einen Zusammenhang zwischen Opioid-Rezeptoren und Krebs-Wachstum festzustellen.

 

 

Update 2017

Inzwischen hab ich einen Kurs mit Fr. Prof. Friesen gemacht. Wirklich sehr eindrucksvolle Daten, eine absolut glaubwürdige und bemühte Wissenschaftlerin die eine Zufalls-Entdeckung gemacht hat:

die Krebs-Zellkultur ist immer unter Methadon gestorben, während Heroin, Buprenorphin, Morphin, Fentanyl und andere Opioide die Krebszellkultur nicht gestört hat.

Tatsächlich dürfte Fr. Prof. Friesen hier zufällig ein neues Therapieprinzip zum Krebs gefunden haben.

Fr. Dr. Friesen kennt mittlerweile über 50 austherapierte Patienten, davon 15 Glioblastome, welche unter Methadon in die Regression und sogar in die Vollremission gekommen sind. Die Methadon-Dosen sind schon ordentlich sodass es auch deutliche Nebenwirkungen geben kann.

Wir arbeiten seit Nov 2016 mit Methadon in der Praxis und haben tatsächlich den Eindruck, dass die Tumore selbst unter geringer Dosis von Methadon etwas langsamer fortschreiten.

Methadon wird jetzt seit 2015 in der integrativen Therapeuten-Szene regelmässig verwendet. Meine deutschen Kollegen berichteten beim letzten Zusammentreffen von einem Wirkungsverlust ihrer Methadon-Verschreibungen. Was früher gut funktioniert hat, scheint jetzt nicht mehr dieselben guten Effekte zu zeigen. Wir haben vermutet, dass die Apotheken vom Grosshandel nicht mehr mit dem Razemat sondern nur noch mit D- oder L-Methadon beliefert werden?

(kein Razemat mehr? –> siehe den Artikel „dieWelt“, hier wird über div. Behinderungen von Fr. Prof. Friese spekuliert)

Ich habe immer noch das Gefühl, dass es unseren Methadon-Krebs-Patienten besser geht als mit einem anderen Opioid.

Mein Vater konnte mit seinem weit fortgeschrittenem metastasierten Prostatakrebs von Hydal auf wesentlich geringere Mengen Methadon umgestellt werden und wir hatten den Eindruck, dass das Krebswachstum ziemlich verlangsamt wurde.

 

Links mit weiteren interessanten Informationen

Palliativmediziner Dr. Hilscher über Methadon

Methadon als Schmerzmittel bei Krebs

Über „Komplott“ der Pharmafirmen gegen Methadon (DieWelt)

 

Studien und wissenschaftlicher Hintergrund

Methadon anstatt anderer Opioide verändert nichts

sehr aktuelle Studie Juni 2017 aus Dallas/Dresden: knapp 200 Patienten wurden „opioid rotiert“ (=umgestellt). Es kam weder zu Schwierigkeiten noch zu irgendwelchen Veränderungen der Überlebenszeit (in der Methadon-Gruppe).

Diese Studie widerspricht den Erfahrungen von Hilscher / Friese. Dies kann ev. ein Dosiseffekt sein. Methadon wird nach Friese v.a. als Chemo-Adjuvans verwendet.

 

Der Methadon-Effekt nach Friesen ist Dosis-Abhängig: die Zieldosis liegt bei 2 x 35 Tropfen der 1% Methadon Lösung, d.h. 70 Tropfen = 3,5ml = 35mg Methadon pro Tag. Diese Dosierung kann nur eingeschlichen werden, wenn nicht bereits ein anderes Opioid verwendung findet – hier wird dieses dann nach der Morphin-Äquivalenz-Formel umgestellt.

Nebenwirkungen sind in der Einschleichphase zu erwarten: laut Prof. Friesen haben sich Makrogol (Obstipation) und Haldol (Übelkeit) bewährt.

Für Patienten ohne Schmerzmittelbedarf empfehlen wir eher LDN, eventuell nach dem Metabloc-Protokoll.

 

Methadon stört die Chemotherapie bei Glioblastomen nicht

März 2017 – neue Studie Charitee Berlin / Uni Ulm mit 27 Glioblastom-Patienten. Bis auf die übliche Verstopfung (Makrogol) und einschleichende Übelkeit (Haldol) keine bemerkenswerte negative Nebenwirkung durch Methadon zur Chemotherapie verabreicht.

 

Methadon verstärkt die Doxorubizin-Chemo bei Glioblastom

die Ulmer Studie, 2014 in CELL publiziert zeigt, dass Methadon die Glioblastom-Zellen und v.a. die Glio-Stammzellen (=chemoresistente Tumorzellen) dazu bringt, mehr Doxorubizin aufzunehmen,

d.h. es kommt zu einer höheren Empfindlichkeit der Glio-Zellen gegenüber dieser Chemotherapie, diese wirkt dann stärker.

Diese Studie ist eine Reproduktion mit Glioblastom-Zellen einer Arbeit von 2013 mit ALL-Leukämie-Zellen, die ich weiter unten genauer beschreibe. Sowohl die Methodik als auch die Ergebnisse sind vergleichbar.

Doxorubizin ist keine Standardchemotherapie bei Glioblastomen. Hier wird heutzutage Temodal verwendet

 

ALL Leukämie-Zellen durch Methadon direkt zerstört

Fr. Prof. Friesen hat bereits 2008 Methadon als direktes Mittel identifizieren können mit welchem LEUKÄMIE Zellen in die Apoptose gezwungen wwerden könen, v.a. auch die gefürchteten Tumor-Stammzellen, aus denen sich wieder Rückfälle ergeben (FullTextPDF-Studie).

 

Chemo-Resistente Leukämie-Zellen durch Methadon eliminiert

Methadon wirkt tatsächlich genauso potent und Krebstötend wie herkömmliche Chemotherapeutika auf Leukämiezellen, ohne gesunde Leukozyten anzugreifen (Seite 6062)

Methadon kann den mitochondriellen CASPASE (Apoptose) Weg wieder einschalten, sowohl in den MULTIDRUGRESISTENT Zellen als auch in Doxorubizin resistenten Leukämie zellen.

 

eine neue Arbeit von Fr. Dr. Friesen von 2013 zeigt den Wirkmechanismus der leukämotoxischen Wirkung von Methadon auf.

 

Doxorubizin besonders gute Kombination mit Methadon

Methadon und Doxorubizin Fresern (4)Besonders in Kombination mit Doxorubizin wirkt Methadon fantastisch, es blockiert praktisch auch jede Resistenzbildung.

Methadon führt zu deutlich stärkerem Doxo-Influx in die Leukämie-Zelle und verhindert, dass Doxo aus der Zelle wieder rausgepumpt wird.

Hier in der Grafik sieht man dass unter Methadon-Einfluss die Doxorubizin-Konzentration in den Krebszellen um ca 30% höher ist und v.a. viel länger wirksam bleibt.

Selbst nach 24h sind erhebliche (80%) Mengen von Doxorubizin in den Leukämiezellen, während ohne Methadon nur noch 35% vorhanden sind, quasi eine Verdreifachung des Wirk x Zeit Produktes

 

Doxorubizin erhöht Anzahl der Opioid-Rezeptoren auf Krebszellen

Methadon und Doxorubizin Fresern (2)Ausserdem führt Doxorubizin-Therapie dazu, dass deutlich mehr OPIOID-Rezeptoren an den Leukämie Zellen erscheinen, was die Methadon-Wirksamkeit wiederum erhöht,

quasi ein selbstverstärkender Mechanismus!

Durch Doxo kommen mehr Methadon-Rezeptoren, so wirkt dann Methadon noch stärker und Doxo wirkt noch stärker gegen den Krebs.

Hier in der Grafik aus der 2013 Studie sieht man eine Verdopplung der Opioid-Rezeptoren auf der Zell-Oberfläche.

 

Chemoresistenz wird durch Methadon ausgehebelt

Methadon wie auch andere Opioide sind typische Substrate für die MDR-Pumpe (multidrug-resistancy), wobei Methadon diese Pumpe blockiert, sodass sie keine Chemo mehr aus der Zelle rausschaufeln kann.

 

Erstaunliche Verdopplung der Wirksamkeit der Chemotherapie

Methadon und Doxorubizin Fresern (5)

in der hier gezeigten Grafik zeigt sich durch die Kombination von Methadon und Doxorubizin eine fantastische Wirkverstärkung. Statt 25% Zelltot erleben wir 65% Zelltot

 

Xenotransplantat bestätigt in vivo Wirkung

Menschliche ALL-Zellen wurden in Mäuse transplantiert. Diesen wurde nun Methadon verabreicht.

Tatsächlich wurden MEGA-Mengen Methadon gegeben, nämlich 120mg/kg KG – dazu musste man die Mäuse schrittweise ans Methadon gewöhnen, da diese hohe Dosis sonst tötlich gewesen wäre.

Methadon und Doxorubizin Fresern (1)Als die Tumore gross genug waren, dass man sie „greifen“ (palpieren) konnte, begann man mit einer Doxorubizin-Behandlung.  Am 46, 53, 60 und 76 Tag bekamen die Mäuse eine Dosis von 3mg/kg Doxorubizin.

Hier ist es spannend zu sehen, dass die Methadon-mäuse (rosa) besser abschnitten als jene mit Doxo aber ohne Methadon (blau).

In der Kombinationsbehandlung  sieht man, dass die Tumore kaum gewachsen sind.

Derart hohe Dosen sind beim Menschen sicher nicht anzuwenden.

Wirkmechanismus ist Minderung des cAMPs

Cyclo AMP die Schlüsselsubstanz. Es konnte angeblich für mehrere Tumore gezeigt werden, dass eine Erhöhung des cAMPs in den Tumorzellen deren Überleben gesteigert wurde (Referenz 54-60 im 2013 Paper)

cAMP wird als Second Messenger aus ATP gebildet und durch Phosphodiestherase wieder zerstört. Coffein hemmt ja bekanntermassen die Phosphodiestherase und lässt damit den cAMP-Spiegel länger bestehen.  Dies bedeutet für mich, dass COFFEIN bei Krebspatienten jedenfalls verboten ist und Stimulatioren der Phosphodiestherase therapeutisches Potential hätten, dem werde ich noch nachgehen.

Ein erster Blick in die Pubmed spricht eigentlich nicht dafür: hier scheint es eher so als ob cAMP eher den Krebs hemmt als ihn fördert als die Friesen-Publikation nahelegt. Auch fand ich beim ersten überfliegen keine überzeugende Evidenz, dass Kaffee den Krebs begünstigt.

 

Zusammenhang mit LDN?

LDN erhöht körpereigene Endorphine – wohingegen Methadon ein exogenes Opioid darstellt. Beide stimulieren den Zelleigenen Opioid-Rezeptor.

Meilensteinstudien von Dr. Zagon

Die Krebs-wachstumskontrollierenden Einflüsse von Opioid-Rezeptoren sind seit den 70er Jahren bekannt, Dr. Zagon hat die Wissenschaftlichen Grundlagen geliefert, Dr. Bihari mit hunderten Patienten die klinischen Daten (siehe meine Seite Low Dose Naltrexone = LDN).

LDN erhöht über einen paradoxen Rebound-Mechanismus die körpereigenen Endorphine um das 2-5 fache was eine deutliche Krebswachstumsverlangsamung bewirken kann.

Dr. Zagon zeigte, dass durch den Endorphin-Einfluss der Tumor um +/- 40% wachstums-modifiziert werden kann.

Endorphine modifizieren Krebswachstum

Wichtig ist diese Erkenntniss v.a. auch desswegen, weil sie uns das biochemische Modell für das Verständnis der Wirksamkeit einer Unzahl von Therapien auf psychisch-emotionaler Ebene bietet:

Beten, Meditation, Hypnose, Heilreisen, Simonton ….. – aber auch Sport, Sauna, Massage, HRV-Atmung …. all das erhöht die körpereigenen Endorphine und verbessert damit die Prognose bei Krebs über Modifikation des Opioid-Rezeptor-Pathways.

LDN macht nicht süchtig

im Gegensatz zu einer Methadon-Behandlung, welche starke Abhängigkeit produziert (stärker als von Heroin) ist diie LDN-Therapie nicht süchtigmachend.

 

Dr. Douwes / Bad Aibling arbeitet mit Methadon

wir (Retzek) haben gute Erfahrungen mit LDN gemacht, während Dr. Douwes Methadon routinemässig einsetzt.

 

 

Hilscher Artikel von Medscape als BAKUP bis auf widerruf hier gehalten

http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685#vp_1

5.3.2017 deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685_print http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685_print 1/3 deutsch.medscape.com |15. März 2016 Frankfurt – „Methadon hat einen schlechten Ruf, doch in der Palliativmedizin nutze ich es seit Jahren, weil es das einzige Opioid ist, das sehr einfach zu handhaben ist, in wässriger Lösung binnen 5 Minuten wirkt, sehr wenige Nebenwirkungen aufweist und bis zuletzt funktioniert, ohne dass intravenöse Umstellungen oder andere Maßnahmen erforderlich sind“, sagte Dr. Hans­Jörg Hilscher beim Deutschen Schmerz­ und Palliativtag in Frankfurt am Main [1]. Der Palliativmediziner leitet seit 18 Jahren das Hospiz Mutter Teresa in Iserlohn und sämtliche Patienten dort erhalten nach seinen Angaben Methadon als Schmerzmittel. Über die Jahre hat er Erfahrungen mit ungefähr 5.000 Patienten sammeln können. Methadon hat einen schlechten Ruf, doch in der Palliativmedizin nutze ich es seit Jahren. Dr. Hans­Jörg Hilscher Bei seinem durchaus provokant formulierten Kongress­Vortrag berichtete Hilscher jedoch noch viel Erstaunlicheres: Die Methadon­Therapie habe – z.B. in Kombination mit Chemotherapeutika über eine Wirkungsverstärkung – auch günstige Effekte auf die Tumorprogredienz. Die richtige Dosis machts Methadon ist ein Racemat aus den beiden Enantiomeren Levomethadon und Dextromethadon, die unterschiedliche Wirkprinzipien haben. Hilscher gibt das Gemisch – eine in fast allen Apotheken erhältliche Rezeptur – in einer Dosierung ab 20 mg, der 3­fachen Äquivalenzdosis von Morphin, und dann ansteigend bis auf das 30­Fache der Morphin­ Äquivalenzdosis. Als Vorlage für die Dosierung dient ihm eine Arbeit australischer Palliativmediziner aus dem Jahr 2000. „Die Substanz hat eine ungeheure therapeutische Breite“, begeisterte sich der Palliativmediziner. „Ein Patient erhielt einmal von seiner Frau anstelle von 2­mal 20 Tropfen 2­mal 20 ml Methadon am Tag. Als sie es gemerkt haben, brachten sie den Patienten ins Krankenhaus. Der meinte nach 18 Stunden Schlaf nur, so gut habe er noch nie geschlafen.“ Unerwünschte Nebenwirkungen aufgrund von Überdosierungen sind entsprechend selten. Aus diesem Grund ist auch „das von vielen Experten, unter anderem dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, empfohlene Aufdosieren aus meiner Sicht nicht notwendig“, betonte Hilscher entgegen den allgemeingültigen Lehrmeinungen. „Sie können gleich die ganze für Sie sinnvoll erscheinende Dosis geben. Denn wenn Sie im Stundenabstand auftitrieren, haben Sie den Wirkstoff ohnehin komplett in der 22­Stunden­Wirkdauer drin. Damit ersparen Sie dem Patienten viele Tage Schmerzen.“ Methadon ist besser als sein Ruf Die Substanz hat eine ungeheure therapeutische Breite. Dr. Hans­Jörg Hilscher Neben den genannten Vorteilen hat Methadon zudem eine geringe obstipierende Wirkung, da es bereits im oberen Gastrointestinaltrakt resorbiert wird. Auch die emetische Wirkung ist entsprechend gering und nicht zuletzt mindert es die Wachheit weniger als beispielsweise Morphin. Die Wirkdauer in der Analgesie ist mit 12 bis 22 Stunden recht lang. Auch Warnungen vor Interaktionen etwa mit Ciprofloxazin und Fluconazol, die in der Literatur beschrieben werden, hält Hilscher für unangebracht. „Es wird ein Hype um die Wirkung, insbesondere die Ausscheidung von Methadon gemacht. Ciprofloxazin und Fluconazol blockieren die Enzyme Cyp3A4 und Cyp2D6, die Methadon verstoffwechseln. Bei einer Blockierung dieser Enzyme wird Methadon jedoch zu 100% vom Körper ausgeschieden – und zwar kompetitiv über die Leber oder über die Niere. Interaktionen mit Substanzen wie Ciprofloxazin und Fluconazol sind daher gering.“ Die kompetitive Ausscheidung über Niere oder Leber habe weiterhin den Vorteil, dass bei Lebermetastasen oder Niereninsuffizienz keine Dosisänderungen notwendig seien, ergänzt Hilscher. Die Substanz werde entweder verstoffwechselt über die Leber oder unverstoffwechselt über die Niere ausgeschieden. Methadon: Ein verkanntes Analgetikum – vielleicht sogar mit AntiTumor­Wirkung? Gerda Kneifel 5.3.2017 deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685_print http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685_print 2/3 In der Literatur beschrieben sind auch Warnungen vor Therapien mit Methadon bei alkalisiertem Urin. „Eine Alkalisierung setzt aber einen nicht­katabolischen Zustand voraus. Man findet das bei jungen Vegetariern, aber ein Kranker mit alkalischem Urin ist eine Seltenheit“, gibt der Hospizleiter zu bedenken. Alkalischer Urin blockiere zudem nur die Ausscheidung von unverstoffwechseltem Methadon. Kompensatorisch steige im Falle eines Falles die fäkale Ausscheidung an. „Die einzigen wesentlichen Interaktionen, die ich je gesehen habe, sind die mit Serotonin­Wiederaufnahme­Hemmern, denn Levomethadon hat auch eine serotoninerge Wirkung.“ Indikationen und Kontraindikationen Im Gegensatz zu vielen Opioiden zeigt Methadon keinen Wirkverlust durch Herunterregulierung der µ­Rezeptoren. Die WHO empfiehlt daher bei einer Toleranzentwicklung gegenüber Opioiden den Wechsel zu Methadon, weil es die Herunterregulierung wieder aufhebt. Im Übrigen ist die Substanz auch bei Morphinunverträglichkeit und neuropathischen Schmerzen indiziert, sowie bei Schmerzen, die auf andere Opiate nicht oder nicht mehr reagieren. Die kardiogene Toxizität tritt … in den Dosisbereichen, die wir in der Analgesie nutzen, nicht auf. Dr. Hans­Jörg Hilscher „Schmerzen bei Pankreaskrebs etwa sind mit einem reinen µ­Agonisten nicht in den Griff zu bekommen. Methadon wirkt zwar über Levomethadon auch als µ­Agonist, kann aber über Dextromethadon auch an NMDA­Rezeptoren binden. Mit Methadon bekommen Sie die Schmerzen meistens in den Griff, und das ohne ein Antiepileptikum geben zu müssen“, berichtet Hilscher von seinen Erfahrungen. Dennoch wirkt Methadon auch toxisch. „Die kardiogene Toxizität tritt allerdings in den Dosisbereichen, die wir in der Analgesie nutzen, nicht auf. Toxisch wird es bei Dosierungen, die in der Substitution bei Drogenkranken verwendet werden“, betonte Hilscher. Aufgrund dieser gefährlichen Nebenwirkung müsse die Substitution eigentlich mit Levomethadon gemacht werden, um die Kardiotoxizität in Grenzen zu halten. Die Kosten für Methadon sind denkbar niedrig: 100 ml Methadon für die Behandlung moderater Schmerzen kosten 12 Euro und reichen für eine 4­ bis 6­wöchige Behandlung aus. Bei zwei Drittel der Patienten verschwinden die Tumoren Noch sehr neu ist die Beobachtung, dass unter Methadon Tumoren zurückgehen können. Der Palliativmediziner berichtet: „Die Menschen in meinem Hospiz leben dramatisch viel länger als in anderen Hospizen und ich habe überlegt, woran das liegen könnte.“ Die Menschen in meinem Hospiz leben dramatisch viel länger als in anderen Hospizen. Dr. Hans­Jörg Hilscher Um dieser Beobachtung auf den Grund zu gehen, kombinierte er zunächst Methadon mit Methotrexat in antirheumatischer Dosis bei Patienten mit malignen Ergüssen. Das Ergebnis: „Pleuraergüsse und Aszites verschwanden unter dieser Medikation. Ich habe seit mehr als zehn Jahren keine Pleuraergüsse und Aszites mehr bei meinen Patienten punktieren müssen. Das ist eine große Erleichterung für die Menschen, so dass sie deutlich länger durchhalten.“ Um diese Ergebnisse wissenschaftlich zu untermauern, ging der Palliativmediziner auf die Suche nach einem Wissenschaftler, der sich mit Methadon auskennt, und fand Dr. Claudia Friesen, die am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Ulm das Molekularbiologische Forschungslabor leitet. Seit 2007 arbeiten Hilscher und Friesen nun an diesem Thema. Resultat der Zusammenarbeit ist unter anderem die Erkenntnis, dass die kurativen Effekte einer Methadontherapie auf der Unterbindung des Escape­Phänomens basieren. Dabei handelt es sich um einen essentiellen Abwehrmechanismus der Tumorzelle gegen Chemotherapeutika. Methadon wirkt dabei auch, wenn sich die Tumorzelle nicht in der Teilungsphase befindet. So erfasst das Racemat im Gegensatz zu Zytostatika auch Tumorstammzellen. „Methadon induziert eine physiologische Apoptose, das Wachstum des Tumors wird gehemmt, aber es geht nicht in Richtung Heilung. Wenn wir aber Methadon mit Zytostatika kombinieren, sehen wir ganz tolle Effekte“, begeistert sich Hilscher. „Bei etwa zwei Drittel der Patienten gehen die Tumoren zurück oder verschwinden sogar. Bei dem anderen Drittel steigen zumindest Überlebenszeit und Lebensqualität.“ 5.3.2017 deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685_print http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904685_print 3/3 Bei etwa zwei Drittel der Patienten gehen die Tumoren zurück oder verschwinden sogar. Dr. Hans­Jörg Hilscher Auch Kliniken erkennen das Potential Patienten mit Glioblastomen seien bislang nach rund 2 Jahren gestorben. Unter Methadontherapie leben die Menschen nun 4 bis 5 Jahre, sterben dann im Zweifel jedoch an radiogener Demenz. „Es ist schon bitter zu sehen, dass die Patienten keine Tumoren mehr haben, aber dann an den Nebenwirkungen der Radiotherapie sterben.“ Die Therapie funktioniert nach den Erfahrungen Hilschers bei allen soliden Tumoren und Glioblastomen. „Je früher Sie dabei mit Methadon beginnen, desto besser. Für eine kurative Intention sollten sie auf jeden Fall frühzeitig mit der Chemotherapie beginnen.“ Um auch die Tumorstammzellen zu erfassen, sollten Patienten, bei denen kein Tumor mehr nachweisbar ist, trotzdem mit Methadon weiterbehandelt werden. „Die minimale Dosis beträgt 2­mal 20 bis 30 Tropfen am Tag über zwei Jahre. Aber auch mit weniger erzielen Sie positive Effekte.“ Immer mehr Kliniken übernähmen inzwischen die Krebstherapie mit Methadon. So behandelt man in der Berliner Charité laut Hilscher mittlerweile alle Glioblastom­Patienten mit Methadon, in München erhalten Patienten mit Karzinomen des Gastrointestinaltraktes das Gemisch. „Und wenn bei der Indikation chronischer Schmerz steht, übernehmen die Krankenkassen die Kosten mit Kusshand, denn günstiger geht es einfach nicht“, kommentierte Hilscher. REFERENZEN: 1. Deutscher Schmerz­ und Palliativtag 2016, 2. bis 5. März 2016, Frankfurt am Main MEHR Schmerz bei Krebs: Starke Opiate wirken in niedriger Dosis besser und schneller als schwache Opiate Wandern auf schmalen Grat: Was tun, wenn die Schmerztherapie zur Sucht wird? Krebstherapie am Lebensende: Chemo ist nicht immer eine gute Wahl Diesen Artikel so zitieren: Methadon: Ein verkanntes Analgetikum – vielleicht sogar mit Anti­TumorWirkung?. Medscape. 15. Mär 2016. This website uses cookies to deliver its services as described in our Cookie Policy. By using this website, you agree to the use of cookies. close

 

Weitere Wirkungen von Methadon

Methadon als Co-Adjuvans zu anderen Opioiden verbessert Schmerztherapie erheblich

Studie 2016 – fortgeschrittene Krebspatienten mit heftigen Schmerzen die nicht gut unter Morphinen abgedeckt waren. Durch ZUSÄTZLICHE Gabe von Methadon konnte ein Co-Adjuvanter prompter schmerzreduzierender Effekt in 49% der betroffenen Patienten erreicht werden.

Methadon macht als Schmerz-Zusatzmittel absolut Sinn.

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

11 Comments

  1. Thomas Basten sagt:

    Hallo,
    Dr Hielscher (Iserlohn, Deutschland) ist Hausarzt und Palliativmedziner und arbeitet schon seit einige Jahren sehr erfolgreich mit Methadon. Er bestätigt u.a. auch die sehr deutliche Tumorhemmende Wirkung. Bei langsam wachsenden Tumoren reicht die Gabe von Methadon alleine offenbar bereits aus. Bei schnell wachsenden Tumoren allerdings nur in Kombination mit einer Chemo.
    Ich arbeite selbst in einem Hospiz (als Krankenpfleger) und einer unsere „Hospizärzte“ hat sich auf meine Anregung hin mit Dr. Hielscher in Verbindung gesetzt. Er war so begeistert, daß er es ab sofort auch bei uns einsetzen wird, wenn auch in erster Linie als Analgetikum. Die Tumorhemmende Wirkung wird sozusagen mit „in Kauf“ genommen. Laut dem Arzt soll es auch keine Abhängigkeit verursachen, vielleicht liegt es an der speziellen Zubereitung.
    Liebe Grüße,
    Thomas Basten

    • HeliR sagt:

      ich hab die Rezeptur von Fr. Prof. Friesen, von der ich die Methadon-Anwendung gelernt habe. Ich weiss, dass Dr. Hielscher sehr beschäftigt ist, daher an Sie die Frage: bei welcher Apotheke lässt er sein D,L-Methadon mischen. Viele Kollegen berichteten mir nämlich, dass sie keinerlei Effekt mit Methadon gesehen haben, trotz oftmaliger Rücksprache mit Fr. Prof. Friese und wir vermuten nun, dass unseren Apotheken vom Grosshandel ein reines D oder L anstatt des Razemats untergeschoben wird um diesen von Friesen berichteten phänomenalen Effekte zu eliminieren. Vielleicht kann ich mir von Hielschers Apotheke was senden lassen.

      • Thomas Basten sagt:

        Bei uns in Koblenz wird es von der „Markenbildchen-Apotheke“ zubereitet. Ich weiß leider nicht, mit welcher Apotheke Dr. Hielscher zusammenarbeitet, es sind aber mehrere Apotheken im Raum Iserlohn. Ich weiß aber von unserem Arzt daß Dr. Hielscher für Rückfragen sehr offen ist.
        Liebe Grüße,
        Thomas Basten

      • Thomas Basten sagt:

        Bei uns in Koblenz beziehen wir das Methadon von der „Markenbildchen-Apotheke“, ich weiß leider nicht von welcher Apotheke Dr. Hielscher es bezieht. Es sind aber wohl einige Apotheken im Raum Iserlohn.
        Dr. Hielscher soll aber lt. unserem Dr. sehr gern bereit sein, Auskunft zu geben.
        Liebe Grüße,
        Thomas Basten

        • Joachim Lüttich sagt:

          Hallo Herr Basten,
          D,L Methadon wurde bei meiner Frau ( Brustkrebspatientin) in Bremen / Deutschland eingesetzt
          ( Medikamentation wie v. Dr. med.Hans Jörg Hilscher )
          und es wirkte in Verbindung mit Caelyx (Doxorubizin ) ; innerhalb von 4-5 Wochen konnte
          der Tumormarker gedrittelt werden auch die LDH-Werte gingen zurück.
          Gruß aus Bremen
          Joachim Lüttich

  2. Thomas Basten sagt:

    Ups, versehentlich zweimal dasselbe geschrieben.

  3. Grischa Leiz sagt:

    Hallo Zusammen,

    bei meinem Vater wurde vor 2 Wochen kleinzelliger Lungenkrebs im ED Stadium festgestellt.
    Heute fangen sie mit der Chemotherapie in der Robert Koch Uniklinik Freiburg an.
    An wenn sollte ich mich wenden, für doe Methadon / Chemotherapie?
    Bin für alle Antworten Dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Grischa Leiz

    • HeliR sagt:

      Fr. Prof. Christine Friese, Uni Ulm hat dieses Konzept wissenschaftlich entwickelt. Sie hat uns allen dies in Baden Baden gelehrt, es sollte jeder Arzt mit Zusatzausbildungen in „ganzheitlicher“ Onkologie bescheid wissen, also auch bei euch in Freiburg, zB Dr Gregor Bruggmoser. Mitglieder-Liste der Gesellschaft für Biologische krebsabwehr oder der deutschen gesellschaft für Onkologie (DGO).

  4. MichaelG sagt:

    Hallo Miteinander,
    bei meinem Vater wurde vor 3 Wochen ein nicht operabler Bauchspeicheldrüsentumor mit einer Metastase in der Leber diagnostiziert. Am Dienstag den 23.05 beginnt die Chemotherapie im LKH Bludenz in Vorarlberg. Er bekommt schon seit längerem eine starke Schmerztherapie.
    An wen können wir uns bzgl. einer Schmerztherapie mit Methadon wenden?
    Im Zusammenhang mit der Chemotherapie und den möglichen positiven Nebeneffekten wäre es einen Versuch wert.
    Es ist sehr schwer sich in der Krankenhausverwaltung zu Recht zu finden und bei diversen Fragen Antworten zu bekommen.
    Ich wäre Ihnen für alle Antworten und einen Rat sehr dankbar!

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael G.

    • HeliR sagt:

      sie können es von mir bekommen. Weil ich ein Suchtgiftrezept ausstellen muss, was in Ö sehr reglementiert wird, kann ich dies leider nur persönlich machen und nicht per Internet oder so, dazu müssen sie einen ganz kurzen Termin vereinbaren und mit den Befunden vorbeischauen.

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