Editorial HK 1/2013

Homöopathie Konkret - Zeitschrift für Praxis der klassischen Homöopathie

Homöopathie Konkret - Zeitschrift für Praxis der klassischen Homöopathie

 

Dr.med. Helmut B Retzek

Dr.med. Helmut B Retzek, klassische Homöopathie in Vöcklabruck / Ober-Österreich

in der HK 1/2013 durfte ich im Editorial (hier das Orginal) zur derzeitigen Situation der Homöopathie Stellung beziehen.

Laut Kirsten Hill, deren Herausgeber-Beitrag ins selbe Horn blies, gab es ob meiner pointierten Ausführungen starke Reaktion in der Leserschaft „dies ging bis Brasilien“ und sie bat mich dazu Stellung zu nehmen.

Ich werde daher mein Editorial hier mit einigen Links und weiterführenden Hinweisen füllen.

Homöopathie Konkret, Ausgabe 1/2013

Homöopathie Konkret, Ausgabe 1/2013

Kursiv/Farbig ist der gedruckte Text des gesamten Editorials, meine erweiternden Kommentare sind dazwischen geschrieben.

Um den Text noch deutlicher zu gliedern, setze ich thematisierenden Überschriften.

 

 

 

Liebe Kollegen,

einige Jahre sind vergangen, seit ich zuletzt an dieser Stelle geschrieben habe. Unsere Wirklichkeit hat sich doch nicht unwesentlich verändert: 

 

Nachwuchs-Mangel der Homöopathen

Aus der Szene

Anlässlich des schwach besuchten Pareek Seminars in Salzburg kam es zu längeren Diskussionen unter uns Kollegen.  Im Gespräch waren Vertreter mehrerer österreichischer und deutscher Homöopathie-Gesellschaften.

Alle wiesen auf einen Nachwuchs-Mangel hin, der sich in den letzten Jahren eingestellt hat.  Dieser beeinträchtigt inzwischen das Ausbildungswesen.

Die Situation unter den Ärzten ist hierbei besonders heftig, wir bilden tw. nur noch eine einstellige Anzahl an Homöopathen aus.

Außerdem sind Seminare nur noch schwer zu füllen.

 

Beispiel: halbleeres Seminar von Alok Pareek im März 2013

Am Sonntag des dreitägigen Seminars (Freitag – Sonntag 8-10. März) waren im Seminarsaal in Salzburg – Veranstaltungsort immerhin Universität – kaum 50 Teilnehmer, nur am Samstag war der Saal zumindest halb gefüllt.

PareekAlokAlok Pareek hat ein unglaubliches praktisches Wissen um kleine Mittel sowie eine sehr praxisorientierte Systematik der Behandlung schwerer und schwerster Fälle und dies sehr detailliert und aufwändig vorbereitet.

Alok betreut (unter Zuhilfenahme von zahlreichen Assistenten) täglich 150-300 Patienten, schwere und schwerste Fälle.

Er betreibt das einzige größere homöopathische Voll-Spital derzeit, mit 80 Betten und Operations-Trakt.

Alok Pareeks Erfahrung betrifft v.a. klinische Fälle, also richtig schwer kranke Patienten, Tausende und Tausende. Er ist Sohn eines erfahrenen Homöopathen und wurde vom Vater intensiv zum Lernen ermutigt und gefordert.

Er hat eine Lebenserfahrung, die vermutlich die aller deutschsprachigen Homöpathen der letzten 100 Jahre zusammengenommen bei Weitem übertrifft, man würde annehmen, dass dies bei den Kollegen auf Interesse trifft.

 Pareek Krebsbehandlung CD

Martin Bomhardts Verlag der Symbole hat ausgezeichnete CDs und DVDs klassischer Homöopathen

Aloks Erfahrung ist so bedeutungsvoll, dass die Clinica St. Croce unter Dr. Spinedi und Dr. Wurster die Zusammenarbeit sucht. Ich hatte dann nach dem Seminar noch die  Chance, mit ihm 2 Life-Anamnesen mitzumachen und war sehr beeindruckt.

Ich habe mich nun am Sonntag im nur teilgefüllten Vorlesungs-Saal als „Europäer“ geschämt vor diesem fantastischen, außergewöhnlich zugewandten, liebevollen Menschen, der seine riesen Arbeit für 6 Tage liegen lässt (mit Anflug/Abreise), um uns mit umfassenden Erfahrungen zu bereichern, und hier sitzen dann 50 Leute im Seminar.

 

Hier meine Mitschrift des Seminars.

 

 

Prafull Vijayakar will nicht mehr nach Deutschland kommen, weil ….

Vijayakar war 2012 in Regensburg vor immerhin 250 Teilnehmern und hat angekündigt, vermutlich nicht mehr selber zu kommen, da er in Indien Seminare vor 3000 Teilnehmern abhält. Er meinte, er müsse bei seinen begrenzten Energiereserven achten, wie und wo er seine Energie am effektivsten verwendet.


Wieso sind so wenige Teilnehmer gekommen ….

… obwohl zahlreiche Aussendungen über mehrfache Kanäle gelaufen sind (laut Veranstalter ÄKH Dr. Jeff Duncan).

Wir sind natürlich während des Seminars immer wieder zusammengesessen, die Mitteilungen über die heftigen Rückgänge der Homöopathie-Ausbildung sind Info von Dr. Christian Pröll sowie v.a. von Dr. Jeff Duncan, beide Vorstandsmitglied der ÄKH, die ÄKH hat im letzten Jahr 3 Kollegen ausgebildet. Obwohl sie eine sehr umfangreiche und praxisorientierte Ausbildung in klassischer Homöopathie anbieten.

Die Deutsche Vertreterin der homöopathischen Ärzte ist im Vorstand einer deutschen Fachgesellschaft, mir namentlich nicht geläufig, hat mich sehr als Person mit Klarheit und Struktur beeindruckt und die beiden Österreichischen Kollegen bestätigt.

Auch in der BRD sind Ausbildungs-Seminare für Ärzte schwer zu füllen.

 


 

Patienten werden weniger

Die HP-Homöopathen in Deutschland beklagen fehlendes Interesse der Patienten. Selbst Vorträge, Tage der offenen Tür, längerdauernde Werbemaßnahmen usw. führen zu keiner Resonanz, obwohl die Heilerfolge in der Praxis deutlich und nachhaltig sind! In England sind aufgrund der negativen Presse die Patientenbesuche um -80% zurückgegangen.

Die Situation in England ist dramatisch! Ich habe beim Vijayakar-Seminar im Mai 2012 mit der Schwester von Oliver Müller darüber sprechen können, die in England als Homöopathin arbeitet.

Auch die Arbeitsumstände sind dramatisch: keine Abgabe mehr von Hochpotenzen durch den Homöopathen erlaubt, nur noch über bestimmte Apotheken (nicht mehr jede Apotheke) dürfen Arzneimittel versendet werden.

Ralf Jeutter hat einen Artikel im Jahr 2009 über die englischen Verhältnisse in der HK publiziert, dieser ist immer noch gültig (hier der Artikel als PDF).

Wieso? hier muss ich weiter ausholen – Gründe für Schwäche der klinischen Homöopathie

In Deutschland gibt es neben den Ärzten noch die HP-Schiene.

Die deutschen Heilpraktiker sind zumeist ausgezeichnet ausgebildet und sehr engagiert.

HP eher psychologisierende Schulen …

Allerdings – mein subjektiver Eindruck – die HPs haben (natürlich schulenabhängig) einen etwas anderen – weniger klinischen – Zugang zur Medizin.

Klar, denn ihre Ausbildung inkludiert eben keine Spitals-Aufenthalte, Famulaturen in klinischen Einrichtungen, kein AIP bzw. Turnus-Arzt-Zeit.

Auch sind ihre „medizinische Interventionsmöglichkeit“ eingeschränkter, was an sich aber für den klassischen Homöopathen geringere Bedeutung hat.

Hier sehe den Grund der in HP-Kreisen doch Höher-Gewichtung der psychologisierenden Homöopathie-Richtungen.

Eventuell entscheiden dies auch die Patienten, die vielleicht bei ernsteren klinischen Störungen den Arzt aufsuchen?

In Zeiten der Wirtschaftskrise und der knapperen Ressourcen spart man sich eher die „Lebensthemen-Homöpathie“, die Ärzte mit ihrem eher klinischen Ansatz sind weniger vom Patientenrückgang betroffen. 

Über psychologisierende Methoden in der Homöopathie schreibe ich weiter unten.

 

Trennung zwischen Ärzten und HPs

Traditionellerweise gab es früher wenig Vermengung zwischen Ärzten und HPs in Homöopathie.

Die Homöopathie-Zeitschrift (Gauting) war v.a. eine HP-Zeitschrift, die AHZ und KHZ die Ärzte-Zeitschriften.

Die HK haben wir ganz bewusst als „über-konfessionell“ angelegt, da es absolut notwendig ist, einen Schulterschluss aller Homöopathie-Richtungen, Schulen usw. durchzuführen, um beim aktuellen Gegenwind zu überleben!

 

Zunehmend Probleme von Homöopathie zu leben …

Als Editor der HK erfahre ich immer wieder in E-Mails und auch bei Fortbildungen, dass viele sehr engagierte und hervorragend ausgebildete HP-Homöopathen mit tollen Behandlungserfolgen mittlerweile trotzdem jahrelang andauernde ernste Probleme haben, von ihrem Beruf zu leben.

Viele HPs haben externe „Brot-Berufe“ – siehe weiter unten, wo ich auf das Thema noch detaillierter eingehe.

Als Reaktion auf dieses Editorial bekamen wir mehrere ähnlich lautende E-Mails: „es ist viel viel schwerer geworden als früher sich zu etablieren“.

Dies war vor 10-15 Jahren bei Weitem nicht sooo ausgeprägt.

 

Verwässerung durch „Para-Homöopathie“

Ein Grund dürfte durchaus die „weite Verbreitung“ der Homöopathie als „standard-alternativ-Therapie“ sein, für die Patienten ist der Unterschied eben nicht greif- und begreifbar: in Österreich ist die Homöopathie mittlerweile fest in den Händen von „Energetikern“, Body-Talkern, Kinesiologen usw., die alle keinerlei klinische und auch keine homöpathische Ausbildung haben und Arzneien mit Rute, dem Pendel oder einem Bioresonanzgerät auswählen. „Global Diagnostics“, Vitalfeld, Immedis, MarsIII … und andere unreproduzierbare „energetische Messinstrumente“ stehen in den Praxen als Götze und es werden Komplex-Krankheiten ermessen, gleich dazu die Komplex-Homöo-Mischungen berechnet und gleich auch die passenden Globuli in derselben Maschine erzeugt.

 

Was viele meiner werten Kollegen nicht wissen, da sie sich ausbildungsmäßig nur in der Homöopathie bewegen, ist die universelle Verbreitung der Verwendung von homöopathischen Einzelmittel, Hochpotenzen, Nosoden und Komplexpräparate in allen Methoden der Heilberufe.

Energetiker: Laien verwässern die Homöopathie

In Österreich gibt es den Gewerbeschein des Energetikers, den man ohne Ausbildung einfach bei der Bezirksbehörde um €300 abholt, meine Frau ist u.a. Energetikerin, um legistisch problemlos in der Ordination einfache Behandlungen wie Papimi, Kinesiologie …. durchzuführen.

Auf freiwilliger Basis kann man Energetiker-Seminare besuchen.

Meine Frau war auf diesen Seminaren: Der Inhalt der Seminare war nicht etwa „wie man was behandelt“, sondern aussschließlich: Wie trete ich nach außen auf, um legistisch nicht anzuecken.

Wie ist die offizielle Sprachregelung und offizielle Vorgehensweise: Was darf ich nicht sagen und nicht offiziell tun (Heilbehandlungen).

Was dann in der Energetiker-Praxis tatsächlich gemacht wird, ist eine krude und bunte Mischung aus den verschiedensten Methoden, zu denen gehört natürlich auch die Behandlung mit homöopathischen Mitteln, aber auch Hormontherapie (lernt jedermann bei Fr. Buchner z.B.), Entgiftungen,  ….

Die Orthomolekular-Firmen haben die Energetiker als Verkäufer entdeckt und bilden diese aus bzw. stellen ihnen die Infrastruktur zur Verfügung.

In Zusammenhang mit ärztlichen Labors werden die Energetiker gleich zu Befund-Erstellern:  Speicheltests inkl. Auswertung und Verschreibungs-Empfehlungen kommen über Labors, die mit den Ortho-Firmen zusammenarbeiten, die Abgabe der Orthopräparate erfolgt gleich auch beim Energetiker.

In jeder österreichischen Zeitung sind Anzeigen zur Ausbildung in div. energetischen Methoden oder zur „Lebensberatung, Energieberatung, Chakrenberatung …“. Viele davon aus dem esoterischen Bereich.

Behandelt wird jedoch häufig auch mit homöopathischen Mitteln, die auf vielerlei Arten ermittelt werden:

typisch: Rute, Pendel, kinesiologisch, astrologisch, nummerologisch …

nicht nach der klassischen Vorgehensweise: Anamnese, Fallanalyse, Repertorisation, Verschreibung, Kontrollanamnese … und vor allem nicht nach dem homöopathischen Grundprinzip: der Ähnlichkeitsregel!

Wieso kann ich das sagen

.... umfassende Fortbildungen in nichthomöopathischen Methoden absolviert ...

ich befassse mich seit 2008 mit „außerhomöopathischen komplementären Verfahren“ (in der Praxis mache ich jedoch immer noch 90-95% reine klassische Homöopathie).

In diesem Zusammenhang hab ich einige Kinesiologie-Seminare bzw. Klinghardt-Seminare besucht, div. Physiotherapie-Methoden erlernt, ein Radionik-Seminar absolviert und auch div. „Energetiker“ und Kinesiologen in Österreich als Patient aufgesucht, außerdem Diplome in verschiedensten schulmedizinischen und komplementärmedizinischen Bereichen absolviert,

bin Vortragender bei Ganzheitsmedizin-Kongressen und besuche regelmäßig schulmedizinische Kongresse und sogar Energetiker-Kongresse. Im letzten Jahr war ich 26 Wochenenden auf Fort- bzw. Weiterbildung.

Nebenbei recherchiere ich viele Stunden pro Woche auf allen Ebenen im Internet – dies umfasst v.a. wissenschaftliche Themen wie auf meiner Homepage hier für Kollegen zusammengeschrieben, wie auch komplementäre Themen,

derzeit absolviere ich die Ausbildung in der komplementärmedizinischen Paracelsus-Klinik in der Schweiz, im Februar bin ich 2 Wochen bei Pareek in Agra.

D.h. ich habe einen ganz guten Überblick über den Stand der Medizin, Ganzheitsmedizin, integrative Strömungen und auch Randgebiete (der Energetik).

Patienten  „zappen“ zu vielen Behandlern

Über die Patienten sehe ich die zunehmende Verbreitung aller verschiedenster komplementärer Methoden, ich frage natürlich jeden, was er noch gemacht hat oder wo er sonst noch hingeht.

In der Regel kommen Patienten mittlerweile von mindestens einem, eher noch von zwei oder drei Energetikern vorbehandelt zu mir, vielleicht auch deswegen, weil ich im Vergleich teuer bin und längere Wartezeiten auf einen Termin habe.

 

nicht untypische Rückmeldung einer Patientin ...

neben der Homöopathie habe ich eine Schwermetall-Belastungsanalyse durchführen lassen und heftig erhöhte ARSEN- und QUECKSILBER-Werte festgestellt (Info: Schwermetalle sind Therapieblockaden, die Messung = die Entgiftung, damit kann man Monate – Jahre an Therapie sparen). Ich habe der Patientin dies mitgeteilt – folgende E-Mail kam zurück

E-MAIL:

Hallo Herr Dr. Retzek,

danke für Ihre rasche Rückmeldung. Ich war heute noch bei der Dunkelfeldblutanalyse und da hat man gesehen, dass das Quecksilber weg war, aber viele Toxine im Blut waren. Ebenso waren die Monozyten da.

Wo ist normalerweise Arsen drin? Was kann ich machen? Ich fahre ab n.W. Dienstag XXX  auf Urlaub. Ich denke da wird sich nicht mehr viel ausgehen. Ich werde jetzt mit Bambuspflaster ausleiten und mit Basenbädern.

Von den Schwellungen her hab ich das Gefühl, dass es nochmals leichter geworden ist – seit ca. 2 Wochen habe ich keine Schwellung mehr gehabt. Seit der mb hat sich mein Allgemeinzustand sicher verbessert. Ich schlafe seit ca. 1 Woche durch und meine Wechselbeschwerden sind ebenfalls abgeklungen. 

Zusätzlich zu Ihrer Behandlung gehe ich zu einer TCM Ärztin zur Akupunktur und auch das wird dazu beitragen, dass es im Gesamten besser geworden ist.

Alles Liebe

XXYY

Also noch etwa 3-4 andere Therapien parallel. Undurchschaubar, welcher Prozess hier los ist. Meine Strategie als Therapeut ist in diesen Fällen simpel, diese Patientin bekommt bei mir keinen Termin mehr.

 

Innerhalb der letzten 3 Jahre haben sich die Vorbehandlungen völlig verändert

fast jeder hat – neu in den letzten paar Jahren – bereits Vitamine und Orthoprodukte u.v.m  (hauptsächlich über relativ teure Orthoprodukte direkt vom Energetiker gekauft – tw. auf Inhaltstoff bezogen 10 x so teuer wie die, die ich z.B. für die Patienten vorrätig halte),

homöopathische Mittel, Ausleitungen, Entgiftungen, …. liegt wohl auch an den ubiqitären Fortbildungsangeboten online, per Buch und im WIFI, BFI und sonstigen halbstaatlichen Organisationen der Erwachsenenbildung.

Energetiker bestimmen als Erstbehandler

Mittlerweile gibt es Fälle, wo ich meine Verschreibungen gegenüber der „vorbehandelnden Energetikerin“ rechtfertigen muss: Ein Krebspatient lehnte eine Hochpotenz ab, denn dies will die Energetikerin nicht.

Es ist in den letzten zwei Jahren eher die Regel – nicht die Ausnahme – geworden, dass die Patienten auch woanders hingehen.

In meiner direkten Umgebung sind in den letzten paar Jahren etwa 20 neue Energetiker gekommen, die u.a. auch mit Homöopathie – besser: mit homöopathischen Mitteln – arbeiten und es werden laufend mehr. Eine Wartezeit von 1-2 Monaten, wie in meiner Praxis, erträgt kaum mehr ein Patient bei dem hohen Angebot an Therapeuten.

Nun hab ich kein Konkurrenzproblem, sondern die Tätigkeit der meisten Energetiker ist ein Problem für die Homöopathie:

Diese Energetiker entstammen selten aus anderen medizinischen Berufen und folgen meistens einem esoterisch „feinstofflichen“ Weltbild als Grundlage ihres Krankheits- und Heilungsverständnisses.

Bei den Fortbildungen mit derartigen Menschen bin ich jeweils fasziniert, mit wie wenigen Schlagworten ganze Erkenntnis-Horizonte ungefragt abgehandelt werden: Chakra hier, Aura da, Level dort und Rate hier, Meridian und Epigenetik und Invertierung und fertig ist ein „energetisches Weltbild“.

Energetiker sind oft liebe Menschen, engagiert. Im Vorberuf häufig Lehrer, konvertierte Techniker oder Hausfrauen.

„jetzt versteh ich, was Bakterien sind: das sind Sterne, die uns die Heilung weisen sollen – und die Viren sind Lichtwesen, die uns beim Wachstum unterstützen“
(eine engagierte – ob ihrer Erkenntnisse fast euphorische – HP in Freiburg, sie arbeitet mit Homöopathie – ermittelt die Arzneimittel über ein OEG-Organ-Energogramm-Gerät nach Rolf Lichtenberg)…

So kommt es zu einer Diskrepanz zwischen Schulmedizin und „der feinstofflichen“ Therapie der Energetiker, regelmäßig wird von diesen Energetikern jede schulmedizinische Untersuchung oder Maßnahme als böse deklariert und die Patienten müssen sich dann praktisch entscheiden, wem sie glauben. Beim aktuellen Glaubwürdigkeits-Defizit der Schulmedizin glauben sie dann meistens dem Energetiker.

Schlimm sind die Maschinen …

Biofeld, Vega, Vitalfeld, …. – mit denen werden auch gleich die Globuli „aufgeschwungen“.

Die Maschinen sind so teuer, dass sie beständig laufen müssen, um sie abzuzahlen, 25-40.000 Euro sind normal.

Maschinen messen meist glaubwürdige Schwächezustände, geben eine Vielzahl von Diagnosen und eine ganze Reihe „passender“ homöopathischer Mittel aus. Diese werden auf Globuli geprägt und mitgegeben, lieber jedoch direkt über den Behandlungsteil der Maschine eingeschwungen (wegen Verrechnung).

Für Patienten wie auch für die Klinik und Schulmediziner gibt es keinen richtigen Unterschied zwischen „klassischer Homöopathie“ und der „Energetiker-Homöopathie“ – das läuft irgendwie alles als „Homöopathie“.

 

Arzneimittel werden in Apotheken „aufgeschwungen“

 

In den Apotheken steht ein radionisches Gerät MARS-III oder sonst eine Bioresonanz-Maschine, die homöopathischen Mittel werden nun dort „elektronisch erzeugt“, wohl mit der entsprechenden Wirkung!

 

Ich habe interessenshalber einen Kurs in Radionik absolviert und es wurde dort oftmals erwähnt, dass Apotheken vermehrt über dieses Zufallszahlen-Generator-Gerät ihre Globuli aufschwingen. Dies wird in den Kursen dort  quasi als Referenz für die Güte dieser Geräte behauptet .

Für die Apotheken rechnet sich dies jedenfalls, da sie nun ALLE Arzneien in ALLEN Potenzen (scheinbar) vorrätig haben und dies auf billige leere Globuli aufschwingen können.

Ob diese nun auch wirken, hat niemand jemals getestet.

Die Radionik wirkt über ein gutes Beratungs-Gespräch. Hier werden sicherlich umfassende Selbsterkenntnis-Muster und entsprechendes Reframing initiiert – ich will die Wirksamkeit der Radionik gar nicht abschwächen, diese liegt wohl gut vergleichbar mit der reinen Mind-Homöopathie.

 

 

Homöopathen, die nur Mentals behandeln, schwächen Möglichkeiten der Homöopathie ab

 

Die Mind-Fraktion der Homöopathen stellt (gemäß der Bücher und Fortbildungen) die 80% Mehrheit dar und hat mit ihren Fokussierungs-Übungen[1], Discreierungen[2] oder SEE/GAPS-Core Techniken[3] eine nicht unbeträchtliche Heilungs- und Verbesserungsmöglichkeit bei Lebensthemen in der Hand, mit mäßigem Erfolg bei körperlichen Erkrankungen[4], d.h. selbst die ausgebildeten Homöopathen reduzieren ihre Möglichkeiten auf die Mittelalter-Schicht mit Lebensthemen.

 

1) Psychotherapeutische Techniken sind hochwirksam

Es gibt psychotherapeutische Techniken mit hoher Wirksamkeit, die noch nicht Allgemeingut sind.

Auch die etablierte Psychotherapie hat ihre eigene Geschwindigkeit, mit der sie neue Methoden integriert.

Die Sankaran-Anamnese finde ich eine hervorragende psychotherapeutische Technik. Diese ist seit den 70er Jahren bekannt und firmiert unter dem Namen „Fokussing„.

Erstverschlechterung durch Gesprächs-Therapie?

Ich hatte vor Jahren eine Patienten entlassen mit dem Satz „das Problem haben wir verstanden und rausgearbeitet, nur kenn ich keine Arznei dafür. Ich werde die Sankaran-Bücher danach durchsuchen, kommen sie bitte in einigen Wochen wieder und lassen sie einfach das Gespräch wirken„.

Nach einigen Wochen erzählte sie mir, wie fantastisch ihr die Behandlung geholfen hatte:

Nach einer fast einwöchigen Phase der Erstverschlechterung mit Ausscheidungsreaktion (wurde krank, hatte Durchfall) geht es ihr mit all ihren Problemen körperlicher und seelischer Natur jetzt viel besser.

Cool. Nur hab ich ihr keine Arznei gegeben, nur eine Anamnese-Technik verwendet, bei der man immer wieder das Gefühl und die Körperwahrnehmung hinterfragt.

Fokussing als Anamnese-Tool

Die Vorgehensweise im Fokussing „wo spüren Sie denn diese Emotion im Körper“ – „wie fühlt sich das genau an“ – „kennen Sie dieses Gefühl von woanders, z.B. von früher her …“

Diese Anamnesetechnik ist sehr hilfreich, bringt sie doch den Patienten sehr rasch durch ev. Verdrängungs-Schichten zum Primär-Konflikt, der sein aktuelles Problem (mit) auslöst.

Ich habe damit in der Anamnese oft schnelle Einblicke gewinnen können.

Nun, da ich diese spezielle Fragetechnik (inspiriert von Sankaran) selber entwickelt habe, dachte ich schon ganz stolz, ich hätte eine wirklich gute neue, effektive Technik entwickelt.

Bis ich ein Buch über Fokussing in die Hand bekam und sah, dass ziemlich genau diese Technik hier beschrieben war, ich glaube mich erinnern zu können, dass der Hinweis darauf sogar von Sankaran stammt, der damit zeigte, wo er seine Anamnese-Technik her hat.

Diese Anamnese-Heilungs-Technik hat natürlich auch ihre  Grenzen: v.a. bei Pathologien und schweren Pathologien.

2) Mind-Homöopathen in der BRD haben wenig „Pathologien“

ein bekannter Homöopath, Buchautor und Lehrer, HP in der BRD, erzählte mir in einer Pause eines Seminares (von K.J.Müller): „eigentlich behandeln wir alle in meinem Arbeitskreis keine richtigen Pathologien oder schwere Krankheiten. Wir behandeln eigentlich alle v.a. psychologische Probleme, Lebensthemen“.

Hierbei wieder der Rück-Verweis auf mein Statement eingangs, dass es ev. einen Unterschied in der Klientel von Ärzten und von HPs gibt.

3) bekannte Mind-Lehrer haben wenig „Pathologien“

Ein indischer Kollege mit großer Erfahrung in der homöopathischen Behandlung von schweren Krankheiten erzählte mir privat, dass ein anderer bekannter Homöopath mit einer eigener Homöopathie-Methodik (Schwerpunkt Psychologie) bei ihm angefragt hätte, ob er – der Kliniker – ihm – dem Psychologen –  nicht einige Fälle mit richtiger Pathologie zur Verfügung stellen könnte,

denn er – der psychologisierende Homöopath – müsste ein Seminar in England abhalten und dort würden die einheimischen Homöopathen sehr hoffen, dass er ihnen Fälle mit Heilungen von richtigen Patholgien zeigen könnte, die er – der psychologisierende Homöopath – bei seiner Methodik jedoch nicht hätte.

Die Engländer bräuchten diese Fälle, da sie so einer heftigen Verfolgung von offizieller Seite ausgesetzt seien und Argumente für die Rechtfertigung einer eigenständigen Heilungs-Methode bräuchten, die diese Methode über die normale Psychotherapie bzw. Gesprächstherapie hinaus rechtfertigt, was angesichts der aktuellen Studien nicht sicher argumentiert werden kann.

Dies alles bedeutet zusammenfassend

1) Anamnesetechniken können hohe Wirksamkeit haben mit echt kurativem Effekt, inkl. Ausscheidungs-Reaktion und Erstverschlechterung

2) viele bekannte lokale Homöopathen hier bei uns behandeln v.a. emotionale Probleme und wenig Pathologien.

3) bestimmte Schulen behandeln mit differenzierter Anamnesetechnik oft sehr erfolgreich psychologische Probleme und damit zusammenhängende funktionelle Störungen, haben jedoch nur wenige Fälle für schwere Pathologien oder erfolgreiche Akutbehandlungen.

 Daraus mag man mir kein „Bashing“ der Mind-Homöopathie ableiten!  Tatsächlich bin ich durch meine Biografie der Überzeugung, dass wir das gesamte Spektrum beherrschen müssen, um der ganzen Bandbreite an Patienten-Problemen gerecht zu werden. 

Wer heilt hat Recht, aber – wir können nicht beweisen, dass wir bei unseren tollen Anamnesen mit unseren Globuli heilen?!

 

Studien scheitern

 

Studien, die uns gleich oder sogar unter der Plazebo-Wirkung einordnen, entsprechen hier wohl der Realität, auch wenn meine eigene Praxis täglich das Gegenteil zeigt. Als „klassischer Homöopath“ bin ich im Konzert aller Anbieter wohl mittlerweile eine kleine Minderheit und kann mit meiner zeitintensiven Tätigkeit natürlich auch nur wenig abdecken!

Das soll heißen: Wenn wir heilungstechnisch mit guter und wirkungsvoller Anamnese punkten, haben wir natürlich genau dieselben Effekte mit Placebo oder Verum-Kügelchen, denn die Anamnese ist ja das wirkungsvolle Medium.

Ich habe weiter oben „bewiesen“, dass Anamnesen sehr machtvolle Instrumente sein können, dass es sogar dezidierte Psychotherapie-Techniken etabliert und bekannt gibt, die ähnliche Therapie-Verfahren verwenden, wie sie in der Sankaran-Anamnese eingesetzt werden.

Wenn also die Anamnese wirkt, nicht das Globuli – haben wir bei Scheinmedikament und Verum denselben Effekt: einen sehr guten Effekt dank der sehr guten Anamnese.

Dies wird jedoch gegen uns verwendet, da wir nur zeigen, dass es nicht das Globulus ist, sondern „die Zuwendung“.

simple klinische Homöopathie hat nachweisbare Erfolge

im Gegensatz dazu die ganz einfache klinische Homöopathie der Banerjies:

20% Wunderheilungen, 20% stabiler Krankheitsverlauf bei Krebs mit einem Arzneimittel, welches nur Indikations-bezogen verwendet wird (quasi Schulmedizin mit homöopath. Mitteln), der alte Herr Banerji seht mit seinen 84 Jahren immer noch 350-400 Patienten pro Tag!

Pareeks Medizin hat bei Weitem nicht die intellektuelle Güte wie die komplexe Auswertung nach Spinedi oder die tiefschürfende Vorgehensweise nach Sankaran oder Scholten. Pareek arbeitet nach Boericke und Leitsymptomen mit ganz einfachen Verschreibungen. Am ehesten gleicht bei uns die Vithoulkas-Homöopathie der Behandlungsweise von Alok Pareek, er kann jedoch 200 Leute pro Tag behandeln und hat nachweislich fantastische Erfolge.

 

Wie wird es angesichts der Verwässerung durch HP / Energetiker, des Nachwuchsmangels der Ärzte und klassischen Homöopathen und der Prävalenz der Anamnese-Psychotherapie weitergehen?

 

All dies lässt mich tatsächlich skeptischer in die Zukunft der Homöopathie als ein Krankheits-Heilsystem blicken als noch vor einigen Jahren, die neue indische Renaissance der klinischen  Homöopathie (Vijayakar, Pareek, Banerji) sind hier vielleicht die Rettung? Nur, wie machen dies die Inder mit 200-400 Leuten pro Tag?!

Darüber – über die Möglichkeiten und Grenzen der Inder – werde ich berichten, wenn ich von Pareek zurückgekehrt bin.

Die Mitteilungen von Kollegen, die in der Praxis von Vijayakar waren (Kirsten Hill, Erika Rau) und von Farok Master (Jeff Duncan) waren eher ernüchternd.

Was uns hier herüben als unglaubliche Heilungen am Laufband präsentiert wird, ist nicht die Regel, sondern – wie auch bei uns – nur ein gewisser Teil des Alltages, dass es eben auch viele Fehlverschreibungen gibt und vieles sehr einfach und sehr oberflächlich abläuft.

Bei dem Inder, der bei uns und weltweit am meisten bekannt ist, gibts noch viel mehr Abweichungen zwischen Sein und Wirklichkeit, berichten immer wieder Kollegen.

Tatsächlich aber haben die indischen Kollegen einen Vorteil, den wir hier nicht haben: Patienten folgen zu 100% und bleiben jahrelang geduldig treu, man hat lange und viele Anamnese-Termine Zeit Mittel auszuprobieren.

Eine Kollegin, die in Ayuveda in Indien ausgebildet wurde, erzählte, dass es in Indien eben auch normal ist, dass ein Patient laut seinem Ayuveda-Arzt z.B. ein Jahr lang nur und ausschließlich Kamelmilch isst und trinkt, um seine Hepatitis zu kurieren. Wenn nach einem halben Jahr immer noch Hepatitis da ist, der Behandler sagt „weitertrinken“, dann wird weiterhin nur und ausschließlich Kamelmilch getrunken.

 

Die Homöopathie-Konkret kommt nicht aus den finanziellen Turbulenzen heraus

HK Homöopathie Konkret

Homöopathie Konkret – Autoren-Zeitschrift für die PRAXIS der Homöopathie. Schulen-unabhängigArzt & HP. Alles was in der Praxis funktioniert hat Platz und soll mitgeteilt werden.

Wir sind als Autoren-Zeitschrift kein Verlag, sondern eine Gruppe von engagierten klassischen Homöopathen, die gemeinsam – mit ihren beitragenden Lesern – eine Zeitschrift rausbringen. Wir haben keinen finanziellen Hintergrund, keine Industrie, kein Buchgeschäft, welches querfinanziert.

Und obwohl wir alle gratis arbeitensind wir nicht lebensfähig unter 1000 Abos,

und selbst jetzt, im 5. Jahr sind wir stabil bei 850 Abos.

 

Es kommen ständig neue Abos, aber andere kündigen – wieso – siehe weiter unten.

Wir alle haben gehofft, dass wir bald die 2000 oder 3000 Subkribenten haben, wie es Kirsten Hill von ihren früheren Zeitschriften-Projekten kannte.

Deswegen – weil wir alle als Praktiker in der Ordination arbeiten, weil es keinen hauptberuflichen Herausgeber / Verleger / Chefredakteur / Lektor / Sekretärin usw…. gibt –

gibt es keinen Fortschritt bei der Website, keinen Newsletter, nicht die von uns geplanten Erweiterungen und Internet-Angebote, um uns alle besser auszutauschen und zu vernetzen,

einfach weil wir uns das alles derzeit nicht leisten können – geschweige denn,

dass sich Kirsten mal ein Gehalt auszahlt für ihre fast 100% Arbeit oder die Autoren ein kleines Honorar bekommen.

 

Mittlerweile bekommen wir regelmäßig Kündigungen mit dem Hinweis „ich kann es mir leider nicht mehr leisten“.

Wieso können sich die Leute die Homöopathie-Konkret nicht mehr leisten

Alternative Fortbildungsmöglichkeiten v.a. im Internet, neue Zeitschrift „Spektrum“ des Narayana Verlages, Hinwendung der Heilpraktiker Homöopathie v.a. auf die Anamnese-Techniken mit weniger interesse an klinischer klassischer Homöopathie.

Hauptgrund ist jedoch ein anderer

die Kollegen haben kein GeldPatienten gehen viel seltener zum Homöopathen wegen

1) der Negativ-Werbung des Systems

2) der Verwässerung durch viele andere Anbieter, die auch mit homöopathischen Mitteln arbeiten und für Patienten nicht unterscheidbar sind

3) der zunehmenden Wirtschafts-Krise, sodass Patienten sich private Therapien mit fraglichem Ergebnis nicht mehr leisten wollen

4) ev. auch mehr Homöopathen? Weiß ich aber nicht, wenn die Ausbildungen und Fortbildungen immer leerer werden.

 

ein besonders berührendes Beispiel für diesen Umstand ist folgende E-Mail, die uns erreichte, und die ich völlig neutralisiert und um persönliche Angaben bereinigt zeigen möchte (Erlaubnis wurde von Autorin eingeholt)

Email über finanzielle Probleme einer engagierten Homöopathin

Liebe Frau Hill,

herzlichen Dank für die letzte Zeitschrift, die wie immer ein sehr praktisches Hilfsmittel für den Alltag geworden ist. Da ich weiß, wie wichtig Rückmeldungen bzgl. der eigenen Arbeit sind, möchte ich an dieser Stelle einmal DANKE sagen und etwas ausführlicher auf die letzte Einleitung in der Homöopathie-Konkret eingehen.

Damit Sie wissen, wovon hier die Rede ist – kurz vorab ein paar erklärende Worte zu meiner Stellung als Homöopathin/ Heilpraktikerin.

Ich habe meine Praxis seit nunmehr 4 Jahren – obwohl ich nach wie vor nie davon leben könnte. Ich finanzierte und finanziere die Praxis über eine zweite Selbständigkeit als xxx, die anfangs enorm gut lief und nunmehr , da immer mehr Anbieter mit z.T. skurrilen Preisen auf den Markt rücken, auch umsatzrückläufig ist.

Um irgendwie die Kosten zu schultern musste ich schweren Herzens immer irgendwo streichen, so dass ich, um zu überleben, nun aus dem XXX  ausgetreten bin, in 6 Wochen noch einmal in eine preisgünstigere Praxis umziehe und – nun komme ich auch zum Punkt – so gut wie keine Fortbildungen mehr besucht habe. Das waren am Anfang noch bis fast 8-10 Fortbildungen im Jahr, die ich besucht habe, und die mir immer sehr viel neues Wissen gegeben haben – nicht zu vergessen den Austausch mit Kollegen. Dabei bin ich – wie ich weiß – nicht allein und in vielen Gesprächen mit jungen Kolleginnen und Kollegen wurde mir bewusst, dass es nach wie vor kein Desinteresse oder mangelndes Brennen für die Homöopathie ist sondern schlichtweg der enorme Kostendruck, der uns von Seminaren zurück hält und damit natürlich auch mangelnde „Kompetenz“.

Zumindest für mich muss ich zugeben, dass ich mit reinem Lesen nicht annähernd so viel gelernt hätte, wie in den Seminaren. Und dabei bin ich bei Punkt zwei. Ich habe es auf Grund meiner anfänglich gut laufenden Zweit-Selbständigkeit geschafft, mir ein umfangreiches Repertoire an Büchern zuzulegen, deren Wert weit das übertrifft, was ich in 4 Jahren mit der Praxis erwirtschaftet habe.

…..   Aber ehrlich gesagt, dauert es heute eben nicht 2-3 Jahre bis eine Praxis läuft sondern realistisch eher 8-10 Jahre.

Ich habe jetzt ….. gegründet, der …  dem Erfahrungsaustausch dient. Natürlich sind wir alles Anfänger, aber es ist die preisgünstigste Methode des Wissensaustausches. Wir würden uns natürlich auch über weitere Kollegen und Kolleginnen freuen, solange das Zusammentreffen geprägt ist von gegenseitigen Geben und Nehmen.

Ich habe auch öfter darüber nachgedacht, Ihnen einige Praxissplitter zu schicken, denn von den gut 100 Patienten die es momentan (leider ;-)) erst sind, sind doch zwischen 80 bis 90% der Fälle sehr gut und sehr erstaunlich gelaufen.

Dennoch fehlt mir hierzu der Mut wenn ich sehe und lese, mit wie viel Erfahrung andere Kollegen und Kolleginnen aufwarten und bin deshalb weiterhin nur stiller Mitleser.

Liebe Frau Hill, ich hoffe trotzdem, dass ich finanziell weiter durchhalte und möchte hiermit noch mal zum Ausdruck bringen, wie wichtig deshalb die Homöopathie-Konkret ist.

Bitte sehen Sie mir deshalb die „Kosten-Nörgelei“ etwas nach. Ich möchte nur damit sagen, dass es „uns“ gibt (Neulinge, Junge usw.) und welche Gründe es aus meiner Sicht gibt, dass wir nicht so aktiv in Erscheinung treten (können).

Liebe Grüße und alles Gute

Wir bekommen monatlich mehrere ähnlich lautende E-Mails! Kündigungen erfolgen in der Regel mit Wehmut aus „finanziellen Gründen“ unter Dank für unser Engagement als Autoren.

 

Homöopathie Konkret kommt nicht nach Österreich

Österreich bleibt weiß

Jedenfalls gelingt es uns als HK-Zeitschrift nicht, in Österreich Fuß zu fassen. Die meisten meiner Kollegen hier kennen uns gar nicht. Was eigentlich noch schlimmer ist: Keiner ist interessiert uns kennenzulernen oder beizutragen. Allerorts herrscht ein Klima des Rückzugs auf das bereits Erreichte und die Resignation. Die unbegrenzte Begeisterung mit dem festen Willen, sich alles anzueignen, was nur möglich ist und „der Welt einen Haxn auszureißen“ – wie wir es als Studenten hatten – ist kaum mehr spürbar, das Establishment ist mit dem aktuellen Zustand zufrieden und die Neuen bleiben aus, die Studenten und Youngsters sind anders als wir damals waren!

 

Die HK hat in Österreich wenige Abonnenten. Wir haben zahlreiche Gratis-Exemplare an die Gesellschaften gesendet (tatsächlich sind diese NICHT GRATIS, denn die habe ich alle aus meiner privat-Tasche bezahlt) und zuerst für 2 Jahre lang keine Antwort bekommen.

Schließlich waren einige Abos daraus, die dann alle wieder gekündigt wurden (Info: Kirsten Hill).

Wesentliche Proponenten der Ö-Gesellschaften kannten uns als Zeitschrift nicht (Gespräch beim Pareek Seminar).

Mehrfaches Anschreiben der „großen Österreichischen klassischen Homöopathen“  hinsichtlich Mitarbeit, z.B. ein kleiner Praxis-Splitter, wurde jedesmal abschlägig beantwortet, die Kollegen in Österreich haben alle keine Zeit oder keine Lust, oder arbeiten für Zeitschriften.

Mir ist auch klar, dass wir als HK durchaus Artikel mit wechselnder Qualität bringen, jedoch müssen wir auch wachsen dürfen und jeder kann beitragen! 

Da wir in Österreich eine Gruppe von sehr engagierten klassisch homöopathischen Ärzten  haben (HP gibt es offiziell nicht, siehe oben Abschnitt Energetiker), die jetzt um 40-50 Jahre alt ist und so schon gut 10-15 Jahre in der homöopathie-Praxis sind,

wäre Österreich logischer Ansprechpartner einer Menge von klassischen Homöopathen mit guter Ausbildung und großer klinischer Erfahrung, wichtig für den Zusammenschluss und gemeinsames Auftreten, für welches ich die Homöopathie KONKRET prädestiniert sehe (da es keine andere klassische praxisorientierte Homöopathie-Zeitschrift am Markt gibt).

Die HK sollte – mein Wunsch und mein Beitrag – hier ein wichtiger Punkt des Zusammenschlusses und der Diskussion sein.

 


 

Wieso ist es so wichtig, dass wir uns zusammenschließen

Nun gut, Kollegen. Bitte seht meine Worte als „Versuch aufzurütteln“. Keiner da draußen ist an uns interessiert, außer wir selber und einige Patienten. Wenn wir nicht die Fahne tragen, wenn WIR SELBER nicht die Studien bringen, täglich den Beweis abliefern, uns vernetzen, uns verdichten, unsere Methodik verbessern und die Möglichkeiten vertiefen und beschleunigen – wird es keiner tun!

Daher: Bitte verschenkt ein Abo an Kollegen und Freunde, bitte schreibt eure Splitter!

 

Heli O Retzek, Vöcklabruck 2013

 

Es ist enorm wichtig, dass wir als Front nach außen auftreten

um uns gegen Para-Homöopathie abzugrenzen:

  • Pendler,
  • Vitalfeld-Homöopathen,
  • Body-Talk-Tanten,
  • Kinesiologischer Arzneimitteltestung
  • alles aus dem Energetiker-Bereich – usw. usf.

Wieso ist die Abgrenzung so wichtig

um der offenen Feindschaft eines vermutlich korrupten Pharma-Systems entgegenzutreten, welches uns zunehmend mehr und mehr in die Enge drängt und uns Praktikern keine  Chance gibt:

  • wir haben weder Ausbildung noch Tools um „zu forschen“, wir sind alles nur „Praktiker“
  • wir haben weder Ausbildung noch Fähigkeit, in der akzeptierten Sprache des etablierten Medizin-Systems zu publizieren
  • wir haben keine Möglichkeit, außerhalb der Homöopathie-Zeitschriften zu publizieren, normale Med-Journals akzeptieren keine Homöopathie-Reports
  • Artikel und Reportagen in außerhomöopathischen Medien werden zensiert und gebeugt  (siehe mein Kommentar zum Bericht des BR) bis an die Grenzen des Betruges
  • es wird schlichtweg gelogen (siehe Artikelserie von Prof. Walach über Edzar Ernst – unbedingt lesen!)
  • wir unterliegen einem großen bezahlten Meinungsmarketing, welches vermutlich zentral gesteuert wird.
  • das bezahlte Meinungsmarketing bedient sich publicity-süchtiger andienender Wissenschaftler, die unsere mangelnde Ausbildung in Wissenschaftsfragen benutzen, um ohne jede Ahnung über die Schwierigkeiten der Wissenschafts-Thematik von Life-Sciene-Themen Ego-Punkte in TV und anderen Medien sammmeln.

 

Typisches Meinungsmarketing gegen Homöopathie

in Österreich im April gelaufene TV-Comedy gegen Homöopathie zeigt, was so läuft

 

Regelmäßige Kampagnen mit hohem Auflagewert

gesicherte Auflage im TV, allen Zeitschriften usw. erleben die Kampagnen „nix drin, nix dran“ – bei denen Skeptiker vor TV-Kamera ein ganzes Fläschchen voller Phos. C30 oder Ars. C30 einnehmen.

z.B. April 2013 in Wien – hier ein Blogbericht drüber mit einem TV-Bericht Youtube verlinkt

 

Religonskriegerisch anmutender Kampf gegen Homöopathie

Die vielen publizierten Phänomene werden von den Kritikern nicht nachkontrolliert, sondern es herrscht ein harscher Ton mit hohem Glaubensfaktor. Man möge sich nur die Töne der Diskussionsbeiträge im Blogbericht eines öffentlichen Homöopathiekritikers durchlesen.

Hier ist klar: Man kann mit Studien, Phänomenen, Fallberichten usw. kommen, wie man will, man wird keine Chance haben, auch nur Interesse zu erwecken.

 

Zeitungsartikel vermutlich bezahlt

Profil Artikel gegen Homöopathie – heftige Stimmungsmache

Typischer Artikel im größten Nachrichtenmagazin in Österreich: Bernd Ehgartner macht Meinungsartikel im Profil. Das Profil entspricht dem deutschen Spiegel: zumeist seriöse Berichterstattung – denkt man sich – bis man selber Ziel eines Artikels ist (habe ich schon öfters gehört). Das Profil hat 2012 zwei große Leitartikel gegen die Homöopathie publiziert. Der oben verlinkte Artikel ist ein klassischer gekaufter Meinungs-Marketing-Artikel: Plazebo, Abzocke, Betrug wird immer wieder zitiert.
 

Spiegel – multiple Artikel über „Tod der Homöopathie“

Der Spiegel macht sich häufig und reichlich zum Sprachrohr der Kritiker der Homöopathie

 

All dies sollte klarmachen, dass wir keine Überlebens-Chance haben werden, wenn wir uns nicht alle zusammenschließen und Argumente und Daten sammeln.

 

Abschließend

Liebe Kollegen, ich habe eine Menge an Infos hier bei mir gesammelt. Pro & Contra Homöopathie, Pro und Contra Schumedizin, auch Info über Hintergründe des Meinungsmarketings. Dies findet ihr auf meiner Homepage unter Titeln wie „Homöopathie-Kritik“ oder „Pharma-Kritik“ usw., es gibt so viele Seiten dazu, dass ich dies hier nicht verlinken will. Stöbert einfach ein wenig rum auf meiner Homepage, ein guter Einstieg sind die Homöopathie-Seiten.

 

Anmeldung zum Homöopathie-Newsletter von Heli Retzek

[wpmlsubscribe type=“list“ id=“4″]

 

Bitte schaut euch gerne bei mir auf der Homepage um.

Homöopathie Konkret - Zeitschrift für die Praxis der klassischen Homöopathie

Homöopathie Konkret – Zeitschrift für die Praxis der klassischen Homöopathie

Und bitte vergesst nicht

empfehlt und abonniert bitte unsere gemeinsame Zeitschrift, die Homöopathie Konkret

 

Nachfolgender Vorschlag muss noch von Kirsten genehmigt werden, ich habe die nachfolgenden Zeilen hier versuchsweise reingestellt. Dieses „Angebot“ ist daher noch nicht gültig!

Kirsten hat für die Zeitdauer von 21. Mai bis 31. Mai für die Leser dieses Editorials ein Special eingerichtet:

Bestellung über diese Weblinks

1 Jahre NEU-Abo Homöopathie-Konkret, ab Ausgabe 1/13 

10% Rabatt

2 Jahre NEU-Abo Homöopathie-Konkret, ab Ausgabe 1/13

15% Rabatt

3 Jahre NEU-Abo Homöopathie-Konkret, ab Ausgabe 1/13

20% Rabatt

Leider können wir nicht mehr Rabatt geben, da – wie ich weiter oben klar beschreibe – die Zeitschrift noch nicht ausgeglichen bilanziert und uns dazu noch 200-300 Abonnenten fehlen.

 

liebe Grüße

 

Heli Retzek

 

[1] Fokussing, eigene psychotherapeutische Technik, in der durch Konzentration auf die physische Repräsentanz einer emotionalen Störung deren Hintergrund leichter erhoben werden kann

[2] Dis-Creation: eine psychotherapeutische Technik aus der Schule „Avatar“ von Harry Palmer, ähnlich dem Fokussing werden Störungen und Probleme als eigenständiges mentales Thema wahrgenommen und durch bestimmte Techniken „aufgelöst“ und so ihrer Energie und des Einflusses auf das Tagesbewusstsein beraubt.

[3] Tom Stone, ein US-Kinesiologe, entwickelte aus eigener Erfahrung – wurde Opfer eines Mord-Anschlages und litt heftig an PTSS – zwei Mind-Techniken, mit denen prompt, einfach und effektiv teils sehr langdauernde Einschränkungen und Störungen aufgelöst werden können, ähnlich dem Dis-Creieren von Harry Palmer.

[4] wie ich aus erster Hand erfahren habe, hat selbst Sankaran keine Fälle von ernster oder schwerer körperlicher Pathologie zur Verfügung. 

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Dr.med. Helmut B Retzek
Dr.med. Helmut B Retzek
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische, schulmedizinische und komplementäre ZusatzausbildungenWissenschaftliche Arbeit und Forschungs-BeiträgeZahlreiche Artikel und VorträgeUmfangreiche Recherchen in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Gedächtnis-Stütze.  Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler - Dr. Retzek's Youtube - Kanal mit Testimonials usw. - neue Einträge abonnieren --> im Footer der Seite

5 Kommentare

  1. Lieber Heli,
    danke für diese ausführliche Beschreibung und Ausarbeitung.
    Ich stimme dir weitgehend zu.
    Die Aufschreie nach Vereinigung, Zusammenstehen, klaren Grenzen zur Verwässerung der Homöopathie gibt es ja zur Zeit zunehmend.
    Doch was konkret ist zu tun?
    Wieviele bleiben übrig, wenn du Homöopathen, die nur psychisch arbeiten abziehst?
    Wo fangen wir an? In den eigenen Reihen- ohne fanatisch zu werden?
    Jeder für sich?
    Sowohl unsere Verbände als auch viele Homöopathen sind untereinander so verstritten, das die Aufräumarbeiten Jahre dauern werden!
    Ich lebe seit 5 Jahren in Hamburg, dort bauen wir eine Kollegengruppe auf. Wir organisieren Vorträge und sind froh, wenn wir die (kostenlos) zum laufen bekommen.
    Ich bin 24 Jahre Homöopathin, hatte eine gut laufende Praxis und verfüge über viel Erfahrung. Ich bin vor 5 Jahren hier her gezogen. Seit 3 Jahren versuche ich die Praxis zu Laufen zu bekommen. Sehr zäh. Alle Hamburger wissen was Homöopathie ist! Haben schon Globuli vom Apotheker, der Heilerin und dem Lebensberater bekommen- hat auch nichts genützt. das ich was anderes mache unter dem gleichem Namen, kann ich kaum jemand hier klar machen. Zumal es bei mir auch noch mehr kostet wie bei der Wellnessberaterin.
    Viele glauben, man muß nur gut sein. Ich bin nicht schlechter geworden. Habe mich in meinen 2 „Freijahren “ noch weiter fortgebildet, habe ein praktisches und wirtschaftliches Wissen über Praxisführung, denn ich habe 20 Jahre von meiner Praxis gelebt!
    Immer wieder frage ich mich: was ist der nächste Schritt? Was genau haben wir (ich ) zu tun?
    Danke für diesen sehr anregenden Artikel.
    Alles Gute für dich
    und kollegiale Grüße
    Claudia Fröhlich

  2. Lieber Heli,
    Danke für deine riesige Recherche-Arbeit auf deiner Website, sie erspart mir viel Arbeit/Zeit und hilft zudem vieler meiner Informations-suchenden Patienten.
    Danke auch für die Zusammenfassung des kritischen, ja dramatischen Zustandes in dem sich die Homöopathie in Europa befindet.
    Da ich als Ausbilder ja viel rumkomme (> 15 Seminare/Jahr) und viel Kontakt zu diversen Schulleitern, anderen Dozenten etc. habe, von denen wieder viel erfahre, kann ich deine Beschreibung nur bestätigen.

    Die wesentlichen Punkte der „Krise“ in meinen Worten nochmals formuliert:
    – Nachwuchsmangel (Ärzte dürfen z.B. heute ihre Hom.ausbildung erst NACH der Facharzt (!)-Ausbildung beginnen).
    – Die Verwirrung vieler Kollegen/innen durch den bunten Strauß an verschiedenen Meinungen/Glaubensrichtungen; gleichzeitig keine Instanz oder Autorität, welche eine Grenzziehung zwischen hahnemannischer/bodenständiger und ‚moderner’/spekulativer Homöopathie macht. Damit ist alles im Namen der ‚Toleranz‘ erlaubt, mit der Folge das die geschicktesten Blender – wie Sankaran – ohne eigene Erfolge in schweren Pathologien sich trotzdem gut verkaufen können.
    – Die Dominanz des Narayana-Verlages, der mit fragwürdigen Methoden in Richtung eines Monopols arbeitet und zudem primär die spekulative Psychohomöopathie fördert.
    – Die z.T. ungenügende Qualität der Hom.-Ausbildung (z.B. studentischer Arbeitskreise an den Universitäten); auch die in Deutschland erarbeiteten ‚Quali-Richtlinien‘ wurden ja zunehmend verwässert, um möglichst viele Kollegen qualifizieren zu können.
    – Der von dir beschriebene Boom der Laien-Homöopathie (dank Internet und diverser Laien-Ratgeber).
    – Eine wirtschaftliche Krise in Europa, welche die relativ zeitintensive und damit teure Homöopathie benachteiligt.
    – Der rastlose, konsumorientierte, auf schnelle Ergebnisse fixierte Zeitgeist, welcher eine so nachhaltige bzw. langfristig orientierte Therapie wie die Homöopathie nicht mehr wertschätzen kann.
    – Die Entscheidung der Pharma-Lobby die Homöopathie nicht mehr zu tolerieren, sondern sie aktiv – mit Hilfe diverser Medizin-Journalisten – zu bekämpfen und zu diskreditieren.

    Was ich dennoch sehe (ich kann nur über Deutschland und die Schweiz reden) sind starke regionale Unterschiede. Es gibt Schulen und Dozenten, welche eine sehr gute und hochqualifizierte Aus- und Fortbildung anbieten. Sie können sich meist gut halten, haben zwar leichte Rückgänge, aber sind (noch?) nicht gefährdet. Aber dann wieder dramatische Einbrüche, das reihenweise Nicht-Zustandekommen von Lehrgängen und Seminaren, das finanzielle Scheitern von Seminarveranstaltern, der Konkurs diverser Buchhändler…

    Daher hoffe ich, das dein Kommentar Kollegen/innen aufrüttelt mit noch mehr Entschlossenheit die hahnemannsche Homöopathie zu verteidigen bzw. zu fördern (z.B. mit einem HK-Abo).

    Danke für dein Engagement, Roland Methner

  3. HeliR sagt:

    ein Kollege hat diesen Kommentar erstellt zum Thema, wünscht aber namentlich nicht genannt zu werden. Danke dir vielmals lieber TG für diesen sehr offenen und engagierten Kommentar!

    Lieber Heli,

    ich hab die letzten Tage so viel über Homöopathie, Studien, Wissenschaftlichkeit, GWUP, Meinungsmache usw. gelesen und recherchiert, wie schon lange nicht mehr.
    Keine Ahnung, wie viele Stunden ich auf Deiner (sorry, aber recht chaotischen) Homepage zugebracht habe, auch heute wieder, von mittags bis jetzt nach 3 Uhr morgens.

    Viele gute Links und Videos, viele gute Beschreibungen komplexer Sachverhalte hab ich gefunden, viele Statements eines enthusiastischen und enorm engagierten Kollegen, Heli!

    Und wenn Du – angesichts der zunehmenden Attacken gegen die Homöopathie und deren Vertreter – mal polemisch wirst, sagst Du das selber gleich dazu.

    Die Erweiterung Deines Editorials zur aktuellen HK habe ich selbstverständlich auch gelesen. Und jetzt kam vor einigen Minuten die Aufforderung, unsere Erfahrungen mit der aktuellen Situation in der Homöopathie bitte als Kommentar dazu zu schreiben.

    Ich hab damit einen inneren Konflikt: einerseits mein starkes Bedürfnis, eine klare Haltung zu zeigen, eindeutig Position zu beziehen und dabei möglichst sachlich zu bleiben – andererseits der Wunsch, der Homöopathie in der aktuellen öffentlichen und meist negativen Berichterstattung nicht zusätzlich zu schaden, indem ich sozusagen einstimme ins Klagelied vieler Kollegen.

    Scham spielt dabei auch eine Rolle. Die Scham, nach inzwischen 15-jähriger Praxistätigkeit nicht oder kaum von meiner Arbeit leben zu können. Eine Arbeit, die ich mit ganzem persönlichen, fachlichen und professionellen Einsatz immer noch mit Freude ausübe und mir keinen schöneren Beruf vorstellen kann.

    Diese Scham ist auch der Grund, weshalb ich dieses Statement nicht unter meinem Namen veröffentlichen möchte. Ich habe mir einen ganz guten deutschlandweiten Ruf in der Kollegenschaft und bei vielen Patienten erarbeitet und es wäre mir peinlich, wenn das alle wüssten.

    In den 15 Jahren seit Gründung meiner Praxis gab es öfter Phasen, in denen es wirtschaftlich mal besser, aber insgesamt eher schlechter lief – trotz überwiegend guter Behandlungserfolge – sodass ich mir ernsthafte Sorgen machen musste, wie ich es schaffen könnte, die Praxis und meinen Traumberuf trotzdem weiterzuführen.

    Über einige Jahre in der Anfangszeit hatte ich noch zusätzliche Jobs oder kleinere Aufgaben, die wenigstens ab und zu etwas die wirtschaftliche Not milderten. Seit einigen Jahren lebe ich nun ausschließlich von der Praxistätigkeit und quäle mich in der letzten Zeit zunehmend von Monat zu Monat.

    Die Gründe dafür sind sicher multifaktorieller Art:

    • Zunächst habe ich die Gründe bei mir gesucht, denn ich habe noch nie zu den Kollegen gehört, die jeden Tag von morgens bis abends hintereinander Patienten hatten, also eine wirklich volle Praxis. Meine – durchaus defizitäre – Ausbildung in Klinik und Homöopathie habe ich durch den jahrelangen intensiven Besuch von hochwertigen Seminaren, Supervisionen, Untersuchungskursen und intensives Selbststudium versucht zu kompensieren, die Mindestanzahl an geforderten Fortbildungsstunden für meine Zertifizierung habe ich jedes Jahr um ein Vielfaches übertroffen. Mit gewissem Erfolg: Ich wurde sicherer in Untersuchungen, in der Anamnesetechnik, im Fallverständnis, der Rubrikensuche, der Mittelkenntnis und meine Verschreibungssicherheit steigerte sich deutlich, die Erfolge nahmen stetig zu und ich kann auf viele zufriedene, deutlich gebesserte oder sogar geheilte Patienten – darunter auch welche mit schweren Pathologien – zurückblicken. Ich erstelle saubere, nachvollziehbare und ehrliche Fall-Dokumentationen und hinterfrage kritisch meine Arbeit, wenn Fälle nicht optimal laufen; ich habe in der Regel einen sehr guten Zugang zu meinen Patienten und es dominiert ein vertrauensvolles Verhältnis. Dennoch – meine wirtschaftliche Situation änderte sich nur marginal.

    • In der Großstadt, in der ich praktiziere, hat die Homöopathie keinen so guten Ruf und selbstverständlichen Stellenwert wie beispielsweise in Süddeutschland. Es gibt hier an jeder Ecke esoterisch angehauchte Praxen, in denen eher eine Art experimenteller Behandlung mit potenzierten Mitteln angeboten wird, die mit den eigentlichen Wurzeln der Homöopathie nur noch entfernt etwas gemein hat. In vielen Praxen werden Komplexmittel verschrieben, hom. Arzneien „ausgependelt“, manchmal injiziert, oder sonst ein Hokuspokus veranstaltet. Das schadet der Homöopathie mehr als alle Gegner und fanatischen Skeptiker zusammen! Ich kenne durch meine Zusammenarbeit mit Kollegen und viele, viele Seminare und Supervisionen dennoch etliche Heilpraktiker-Kollegen, die klassisch homöopathisch arbeiten – nur sehr wenige können tatsächlich von ihrer Arbeit leben. (Bei den ärztlichen Kollegen scheint es besser auszusehen.) Kaum jemand kann sich in der Situation auch noch eine Altersvorsorge leisten. Was das für unsere Zukunft bedeutet, mag ich mir gar nicht ausmalen.

    • Hinzu kommt: In dieser Großstadt, in der ich lebe, haben die meisten Menschen ein unterdurchschnittliches Einkommen, was ihnen nur mit größter Mühe und/oder nur bei hohem persönlichen Leidensdruck durch die Krankheit (und wenn konventionelle Behandlungsmethoden nicht erfolgreich waren) überhaupt ermöglicht, eine alternative private Therapie zu bezahlen, denn eine private Krankenverischerung haben die wenigsten hier. Dies wiederum führt teilweise zu Dumping-Methoden bei den Behandlungshonoraren, weil sonst noch weniger Patienten kommen. (Auf die unterirdischen Erstattungssätze der meisten PKVen nach dem völlig veralteten GebüH aus den 70er Jahren will ich jetzt nicht eingehen.)

    • In dieser ohnehin schwierigen Situation erscheinen seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit grottenschlecht recherchierte und oftmals reißerisch aufgemachte Berichterstattungen über die angebliche Nutzlosigkeit der Homöopathie. Selten gibt es – wie kürzlich den Bericht des BR – Beiträge, die unvoreingenommen informieren, ohne die noch offenen Fragen auszusparen (Du hast auf Deiner Homepage ja geschildert, mit wie vielen Schwierigkeiten dieser Bericht verknüpft war). Der Tenor der allermeisten Berichterrstattungen ist geprägt von Unkenntnis der Methode, Lächerlichmachung ihrer Anwender und Nutzer, Warnungen vor den „Gefahren“ und einem Vokabular, das jedem seriösen Journalismus zutiefst widerspricht. Dies bedeutet nicht, dass gesunde Skepsis nicht angebracht sei.

    Seriöse Therapeuten (ob Ärzte oder Heilpraktiker) sind in der Regel sehr wohl dialogfähig.
    Schwierigkeiten im Dialog gibt es logischerweise, wenn das Gegenüber sich gar nicht mit der Methode, über die man sich austauschen will, beschäftigen möchte, sondern sie nur bekämpfen und lächerlich machen will (übrigens eins der stereotypen Verhaltensmuster der GWUP-Anhänger). Einer der Gründe könnte das sein, was Prof. Walach mal als Plausibilitätsbias sehr anschaulich beschrieben hat.

    Was die GWUP betrifft, habe ich einen sehr interessanten Artikel von einem Aussteiger gefunden. Der kennt die internen Strukturen am besten und hat sie so überaus treffend beschrieben, dass es sich lohnt, den langen Text gründlich zu lesen.

    Innere Haltung, Wortwahl und Ziele der GWUP und deren Anhänger in der Öffentlichkeit sind recht leicht zu erkennen, wenn man sie einmal verstanden hat.

    In Anbetracht der (überwiegend negativen) öffentlichen Berichterstattungen der letzten Zeit über Homöopathie wundert mich allerdings, dass offenbar eine Menge Journalisten, Redaktionen, Presseagenturen etc. genau nach deren (GWUP-internen) Regeln agieren…und nicht erkennen, dass diese Organisation mehr von einer Sekte hat als von gesunder Skepsis oder irgendetwas, was auch nur entfernt mit wissenschaftlichem Denken und Handeln zu tun hat.

    Die Art dieser Berichterstattungen hängt nach meinem Empfinden auch damit zusammen, dass einige Menschen, die das ursprünglich wollten, nun davor zurückschrecken, sich homöopathisch behandeln zu lassen, noch dazu eigenfinanziert und noch dazu von einem Heilpraktiker.

    Wenn es überhaupt positive öffentliche Berichte für die Homöopathie gibt, dann werden in der Regel homöopathische Ärzte befragt, keine Heilpraktiker.

    (Irgendwie muss ich jetzt, da ich das schreibe, an das Interview mit Prof. Jütte zum Thema „Homöopathie und Nationalsozialismus“ denken, der sinngemäß sagte, jüdische homöopathische Ärzte habe es in der Nazizeit nur wenige gegeben – Jude zu sein hätte als Außenseiterposition schon gereicht, dann auch noch Homöopath…)

    Moment: Ich will hier weder Standesdünkel thematisieren noch den Anschein erwecken, etwas gegen homöopathische Ärzte sagen zu wollen oder gar HP mit Juden zu vergleichen. Ich kenne viele ärztliche Kollegen und viele HP-Kollegen, die die Homöopathie ganz gewissenhaft, lege artis und seriös betreiben! Das, was uns verbindet, ist die tiefe Kenntnis dessen, was diese Methode – korrekt angewendet – in vielen Fällen zu leisten vermag. Das Wissen, das Engagement und die Erfahrung beider Berufgsgruppen noch mehr zu bündeln und gemeinsam mehr zu kooperieren, wäre sicher eine lohnende Aufgabe für die Zukunft.

    Die nachvollziehbare Aufforderung von einigen meiner Kollegen, in diesen Zeiten derartiger Berichterstattungen und rückläufiger Patientenzahlen einfach gut, transparent und professionell weiterzuarbeiten, teile ich zwar rational und mache das auch – es ändert allerdings nichts an der existenziell bedrohlichen Situation in meiner Praxis.

    Wenn ich nach so vielen Jahren der Berufserfahrung, mit einer sehr guten Erfolgsquote meiner Arbeit, trotz ständiger Fort- und Weiterbildung nun mit Anfang 50 und ohne Altersvorsorge vor der Frage stehe, mir wieder einen Zusatzjob zu suchen, eins meiner HK-Abos kündigen oder aus dem VKHD austreten soll (der gute Verbandsarbeit leistet!), oder mir anderswo mühsam etwas einsparen kann, um meine Miete für die (winzige) Praxis und die Wohnung finanzieren zu können, dann läuft etwas gewaltig falsch.

    Und trotzdem freue ich mich auf meine Praxis morgen früh, auf die Patienten, die interessanten Entwicklungen unter der homöopathischen Behandlung, neue Aspekte in der Betrachtung der Fallverläufe, neue Erkenntnisse und neue Herausforderungen.
    Irgendwie müssen wir Homöopathen tatsächlich verrückt sein.

    Liebe Grüße
    TG

  4. Sehr geehrter Herr Retzek,

    ich nehme Bezug auf eine bereits etwas ältere Ausgabe der Homöopathie Konkret (1.13).
    Im Editorial auf Seite 4 schreiben Sie über Nachwuchsprobleme in der Klassischen Homöopathie.
    Als ich nun diese Ausgabe nach einiger Zeit wieder in die Hände bekomme, merke ich, dass ich Ihnen dazu schreiben muss.
    Denn es zwickt!

    Sie schreiben: “Die unbegrenzte Begeisterung mit dem festen Willen, sich alles anzueignen, was nur möglich ist und „der Welt einen Hax’n auszureißen“ – wie wir es als Studenten hatten – ist kaum mehr spürbar, das Establishment ist mit dem aktuellen Zustand zufrieden und die Neuen bleiben aus, die Studenten und Youngsters sind anders als wir damals waren!“

    Als Praxisneugründerin und begeisterte Homöopathin kränkt mich diese, Ihre Sichtweise, die Sie hier der breiten Öffentlichkeit preisgeben.
    Ich – und noch etliche KollegInnen – wir reißen uns „den Hax’n“ aus!
    Wir nehmen große persönliche, finanzielle und energetische Belastungen auf uns, um immer tiefer, immer sicherer und immer erfolgreicher in die Materie der Klassischen Homöopathie zu kommen.

    Wir verschulden uns. Zum Teil sehr hoch! Nur, damit wir die wenigen Patienten, die kommen, dennoch behandeln und ihnen Linderung verschaffen können.
    Wir reisen nach Alonissos, wann immer es das Budget zulässt.
    Wir machen Supervision, gehen zu Vorträgen, kaufen Literatur, besuchen Kurse.
    Wir studieren bis zur geistigen Erschöpfung.
    Wir repertorisieren uns die Finger und die Hirnwindungen wund.
    Wir betreuen unsere Patienten bis knapp vor die totale Selbstaufgabe.
    Wir versuchen, trotz unserer Unsicherheiten mutig zu bleiben.
    Und am wichtigsten: wir verehren diese große, wundervolle Heilkunst von ganzem Herzen.

    Mit meinen inzwischen 42 Jahren gehöre ich wohl nicht mehr ganz zu den Youngsters, doch als Praxisanfängerin fühle ich mich angesprochen.
    Ich habe eine fundierte Ausbildung in Klassischer Homöopathie an einer SHZ akkreditierten Schule gemacht. Ich bin VKHD Mitglied.
    Und ich habe mein Leben der „guten“ Homöopathie verschrieben.

    Bevor Sie und Ihre Kollegen als „alte Hasen“ so ein vernichtendes Urteil über uns Newcomer fällen und in einem Sumpf von „früher war alles besser“ und „die Jugend von heute taugt nichts“ versinken, bitte ich Sie, unsere Seite der Medaille anzuschauen. Seien Sie uns lieber ein Vorbild. Motivieren Sie uns und helfen Sie uns hoch. Wir würden gerne von Ihrer Erfahrung lernen. Wenn wir jedoch den Eindruck bekommen, unsere Bemühungen sind in Ihren Augen ohnehin zu nichts nutze, ist das einigermaßen frustrierend.

    Aufgeben wäre manchmal so einfach. Und dennoch mache ich weiter und weiter und weiter – in der Hoffnung, irgendwann auf den grünen Zweig zu kommen. Denn es geht mir darum, die Homöopathie am Leben zu halten und das Leiden der Menschen, die sich mir anvertrauen, zu verringern. Das ist meine Art, etwas beizutragen.
    Es wäre schön, wenn die Generation vor uns unsere Vorreiter sind, ohne auf dem hohen Ross zu sitzen.

    Und eine Anregung zum Schluss: vielleicht liegt es ja am zu schnell gewachsenen Fortbildungsmarkt, dass die einzelnen Kurse nur halb belegt sind und nicht am mangelnden Interesse und Engagement der „Neuen“.

    Liebe Grüße,

    Christin Köhler

    Christin Köhler
    Heilpraktikerin
    Klassische Homöopathie
    Nobelstr. 38
    88131 Lindau
    +49 160 163 1065
    mail@christinkoehler.com

    • Heli Retzek sagt:

      Von: Dr.med. Helmut Retzek [mailto:heli.retzek@homeopathy.at]
      Gesendet: Freitag, 23. Mai 2014 17:36
      An: ‚Christin Köhler‘
      Betreff: AW: HK 1.13

      Cool Christin,

      kannst du das nicht bitte als Leserbrief öffentlich machen und auch auf der Homepage von mir als Kommentar einfügen.

      Mein Geschreibsel war die Zusammenfassung von mehreren Tagen Mittagessen mit den massgeblichen Kollegen der ÄKH sowie einer VKHD Kollegin.

      Mir war das alles vorher nicht so bewusst, erst durch deren Gerede wurde mir klar wie ernst die situation ist.

      Gratuliere zu deinem Engagement, sehr vielverspreechend!

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