Coimbra: Nierensteine und Nephrocalcinose unter hochdosiertem VitD

Info von Dr. Coimbra zur Nierenverkalkung unter Hochdosis-VitD

 

Facebook schickt mir erratisch und nicht recht nachvollziehbar warum immer wieder mal einen Beitrag – für regelmässige Facebook-Lesungen fehlt mir leider die Zeit. Diesmal hat mir Facebook einen Beitrag von Dr. Coimbra zugemailt, den ich hier in meiner Coimbra-Infos-Sammlung öffentlich halten möchte.

über Nierensteine

folgende Information habe ich von Dr. Coimbra (Link auf Post) übersetzt: 

Dr. Coimbra schreibt über Nierensteine bei Protokoll-Patienten

Dr. Coimbra schreibt über Nierensteine bei Coimbra-Protokoll-Patienten:

  1. zehntausend IE VitD werden in 10-20 Minuten Mittags-Sonne produziert. Ist es tatsächlich vorstellbar, dass eine so kurze (physiologische) Exposition als Auslöser von Nierensteinen angesehen werden könnte?
  2. Calcium-Oxalat-Steine sind die Folge einer übertriebenen Synthese von Oxalat und nicht von Calcium-Ausscheidung im Urin
  3. VitD-Patienten sind natürlich keine Ausnahme und können sehr wohl trotzdem Oxalat-Steine bekommen. Diese Oxalat-Steine machen 80% aller Nierensteine aus und daher würden wir bei den bisher 20.000 Protokoll-Patienten einige derartige Steine erwarten.
  4. ausserdem hatten wir mehrere Patienten die bereits Nierensteine hatten, schon seit Jahren, die langsam grösser geworden sind und im Nierenbecken stationär geblieben sind. Diese können gerade durch die vermehrte Flüssigkeitsaufnahme im Protokoll bis in den Urether geschwemmt werden und abgehen. Steine von 3-6mm gehen unter Krämpfen ab und benötigen Krampflösende Medikamente, Steine über 6mm gehen in der Regel nicht mehr von selber ab und müssen vom Urologen entfernt werden. Im Nierenbecken ist sehr wohl platz für mehrere grosse Steine die dort beschwerdefrei liegen können.
  5. durch die erhöhte Trinkmenge wird das Neu-Entstehen oder das Grösserwerden bereits existierender Steine verhindert, nicht aber der scherzhafte Abgang bereits existierender Steine.
  6. Riboflavin-Zusatz zur Hochdosis-VitD-Therapie trägt ebenfalls bei das Entstehen oder Wachstum von Nierensteinen zu verhindern.

 

Physiologischerseits gilt die höchste Priorität des Körpers einen konstanten und gleichmässigen Calcium-Serum-Konzentrationswert aufrecht zu halten: es darf keine Hyper- oder Hypo-Calcämie geben. 

Wenn also zuviel Calcium aus den Knochen mobilisiert wird – oder zuviel Calcium über den Darm aufgenommen wird, eliminiert der Körper diesen Überschuss (im Blut) in den Urin.

Wird dort das Löslichkeitsprodukt durch Überkonzentration von Calcium (und einem Anion wie Oxalat, Phosphat, Sulfat oder Carbonat) überschritten, können Nierensteine entstehen oder sogar Ablagerungen innerhalb der Nieren-Tubuli, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen können: Nephrocalcinose. 

Deswegen müssen Patienten unter Hochdosiertem VitD nicht nur Calcium-reiche Lebensmittel vermeiden sondern auch ein Minimum von 2.5l pro Tag trinken.

 

3 Fälle von Nephrocalcinosen in BRD im Jahr 2017/18

 

Christina Kiening schreibt auf Facebook ca Febr 2018 dazu:
 
wir sind letzte Woche von Dr. Coimbra erneut eindringlich gewarnt worden vor der Einnahme von Vitamin C unter Hochdosistherapie Vitamin D – auf keinen Fall machen!

Er hat mittlerweile mehrere Patienten, die eine sog. systemische Oxalose oder Hyperoxalurie entwickelten (mehr dazu hier: http://www.ph-selbsthilfe.org/…/Hyperoxalurie_Deutsch.pdf).

 
Dabei kommt es zu einer enzymatischen Reaktion, bei der die Säure aus Vitamin C (Ascorbinsäure) mit dem Calcium im Blut bindet, Oxalat-Kristalle in der Niere formt und das kann binnen weniger Tage zu einer akuten Hypercalcämie mit einem Zusatzeffekt von beschleunigtem Calciumabbau aus den Knochen führen, was den Supergau auslöst und zu Nierenversagen führt.

Wir haben letzte Woche in der Praxis von Dr. Coimbra zwei Fälle live miterlebt: In Brasilien beginnt gerade der Herbst, auch da haben viele Leute aktuell Blasenentzündungen oder Erkältungen.

 
Zwei Patientinnen haben über mehrere Tage hochdosiertes Vitamin C eingenommen (eine 4000 mg /Tag über vier Wochen bis zur Oxalose, die andere sogar nur 1000 mg/Tag über vier Tage).
 
Beide hatten exorbitant erhöhte Kreatinenwerte und massiven Knochenabbau und wurden mit beginnendem Nierenversagen ins Krankenhaus eingeliefert
 
Es gilt also weiterhin: Auf keinen Fall Tagesdosen über 500 mg Vitamin C Supplemente mit hochdosiertem Vitamin D kombinieren!

 

 

Anmerkung Dr. Retzek

Tritt Nephrocalcinose häufig auf unter Protokoll-Patienten?

Dr. Coimbra hatte bis letzten Oktober, als ich in seiner Praxis zur Ausbildung war in 15 Jahren bei > 10.000 Patienten KEINE Nephrocalcinose erlebt.

Die in jüngster Zeit aufgetretenen Fälle von Nephrocalcinose betrifft also Patient, die kurzfristig regelmässig VitC zu sich genommen haben. 

Nach meinem Wissen (Treffen der Coimbra-Ärzte April 2018) sind auch bei den deutschen Patienten mit Nephrocalcinose diese immer im Zusammenhang mit einer Influenza und Vitamin-C Einnahmen aufgetreten.

 

ist Vitamin C also für Coimbra-Patienten „giftig“?

Selbstverständlich benötigen wir alle Vitamin C um zu funktionieren, wir sind dankbar nicht mehr in der Zeit von Skorbut leben zu müssen. Ich habe daher weiter recherchiert und einige Hinweise und auch Lösungen gefunden:

pH-Abhängigkeit von Nierenstein-Bildungen

bestimmte Nierensteine können sich entweder nur im sauren oder im alkalischen Urin-pH aufbauen

die im sauren-pH vermehrt auftretenden Steine sind die Urat- und Oxalat-Steine

 

Calcium-Oxalat-Steinen

Oxalat Steine machen mehr als 80% aller Nierensteine aus. Wir können uns daher vorwiegend auf diese Steine konzentrieren. Ausserdem werden Oxalatsteine durch VitC angetriggert – wir können also sicher sein dass die Nierenverkalkungen die wir erlebt haben Oxalat-Ablagerungen sind.

Dies kann durch Vitamin C induziert werden, da

  1. Oxalsäure ein Oxidations-Produkt von Vitamin C darstellt (Studie 2017) und
  2. unter entzündlichen Bedingungen können sogar normale physiologische Mengen von Oxalsäure die immer im Körper vorhanden sind zur Nierenschädigung führen (Studie 2017
  3. Calcium-Oxalat-Steine bilden sich bevorzugt in saurem Urin.

 

mögliche Störungs-Ursache: die Quelle des Vitamin C

ein zuviel an VitC wird innerhalb 8h in den Urin ausgeschieden.

technische Ascorbinsäure ist ein Razemat und besteht aus der R- und L+ Form. Nur eine der Formen – also nur 50% davon – ist vom Körper verwertbar, die andere wird unverändert im Urin ausgeschieden.

Desswegen verwenden wir technische Ascorbinsäure für die Produktion von Wechselharn – eine recht hilfreiche Strategie bei chronischer Blasenentzündung: 1 Woche Urin ansäurern (mit VitC) und 1 Woche Urin alkalisieren (mit Basenpulver), über längere Zeit da die Bakterien entweder säure-liebend oder säure-unverträglich sind, nie beides gemeinsam.

Technische Ascorbinsäure erhöht also immer die Azidität des Urins, so dass dadurch die Bedingungen, die Calcium-Oxalat Steine und auch Calcium-Urat-Steine benötigen, gefördert werden.

Coimbra-Protokoll-Patienten sollten daher keine technische (razemische) Ascorbinsäure einnehmen, wohl aber natürliches Vitamin C in Form von Heidelbeeren (die besonders Virus-Hemmend sind) und frischgepressten Zitronensaft, da dieser v.a. aus ganz viel Zitronensäure (=zitrat) und nur überraschend wenig Vitamin C  hat.

 

Wieso ist der frischgepresste Zitronensaft so hilfreich

Zitrate werden ganz offiziell als Kristallisations-Hemmer zur Behandlung von Oxalatsteinen verwendet!  (die Studien dazu hab ich weiter unten verlinkt).

Da der Zitronensaft 100 x mehr Zitronensäure als VitC enthält, ist der Kristallisations-Hemmer gegen die Oxalsteine schon mitgeliefert.

Sie können natürlich auch natürliche Ascorbinsäure aus Acerola oder Hagebutten einnehmen, fallen aber dann um die Steinbildungs-Hemmung durch Zitronensäure um.

 

Soll ich jetzt Urin-pH messen?

Regelmässige pH Messungen sind nach meiner Meinung nicht notwendig, da der Urin-pH sehr dynamisch ist:

bei gesunden Menschen ist er morgens unter 5,4 und um 16h nachmittags über 6,8 – dies hab ich aus einem Buch über Dr. Emanuel Revici, der Millionen Urin-pH-Messungen durchführen lies.

Wenn ich aber doch „übersäuert“ bin, weil ich stress habe?

Am besten verwendet man zusätzlich MAGNESIUM-CARBONAT und MAGNESIUM-CITRAT, beide alkalisieren den Urin und sind gleichzeitig eine echte Therapie gegen Oxalsteine (Wikipedia), Citrate gelten tatsächlich als Spül-Mittel gegen Oxalsteine (Studie 2017) weil sie die Kristallisation verhindern. 

 

Was nun tun bei einer Grippe?

Die orthomolekulare Behandlung der Influenza ist ja eigentlich wirklich Vitamin C und Zink. Wie kann ich mich nun als Coimbra-Patient bei einer Grippe verhalten:

  1. Tee, Tee, Tee, Tee, Tee – vorwiegend ZISTROSE  (Studien), Thymian (Studien), Ingwer (Studien) – um die Flüssigkeitsmenge zu erreichen.
  2. Fieber und Infektion lösen einen starken oxidativen Schub aus. Dieser benötigt natürlich VitC aber kann wiederum bei reichlich überschuss von  VitC und entsprechender Disposition zur Umwandlung von VitC in Oxalsäure führen.
  3. Und: natürlich geben wir frischgepressten Zitronensaft als Vitamin C Quelle. Wir wollen 250 mg VitC / Tag während der Influenza (= 5 Zitronen, Saft auspressen, mit viel Honig süssen und verdünnt aber kalt trinken). Diese Rezeptur enthält mindestens 10g Zitronensäure. Das Zitrat verhindert jedenfalls die Bildung von Oxalat – Steinen! Wenn es zu sauer für den Magen ist, etwas Basenpulver (Magnesium-carbonat) nachgeben.

  4. keinesfalls auf VitC während der Grippe völlig verzichten. Dies würde einen präscorbutösen Stoffwechsel provozieren, dadurch würde die Grippeheilung viel schlechter stattfinden!

 

kann ich die Niere sonst noch irgendwie schützen

Ich habe gefunden, dass man die Nierenschäden durch Oxalat sowie die Bildung des Oxalats überhaupt mit Vitamin E verhindern kann. (Studie 2017)

Wieviel nimmt man Vitamin E?  800 IE für die Zeit während der Grippe-Erkrankung, sonst maximal 400 IE.

 

Gibt es auch andere Formen von Nierenverkalkung?

Manche Menschen neigen zur Bildung von Calciumphosphat-, Magnesium-Ammonium-Phosphat-, Calcium-carbonat-(oder eine Mischung aus diesen) Steinen neigen.

Diese Steine bilden sich bevorzugt in alkalischem Milleu und sind natürlich vorallem von einer hohen Konzentration von Phosphat und Carbonat abhängig. 

  • Wo kommt Phosphat her?  Cola (=Coca Cola)
  • Wo kommt Carbonat her?  zu viel Kohlensäurehältige Getränke oder eine Gewebs-Alkalose, ev. durch zu viel Basenpulver (Bicarbonate).

 

Ich glaube ehrlichgesagt nicht, dass man den Urin-pH besonders beachten muss bzw. sogar pH Modifikationen durchführen muss.

Nachdem wir nun die Fälle eingrenzen konnten (Grippe + Vitamin C) gilt unsere Aufmerksamkeit diese Patienten während der Grippe zu unterstützen.

 

 

 

Seit dieser in BRD aufgetretenen Nephrocalcinosen, gebe ich den Coimbra-Patienten mehrere Blanko-Labor-Überweisungen für Crea, GFR, Elyte sowie 24h Urin-Elyte mit und bitte sie eher zeitnahe (nicht nur alle 6 Monate) die Nierenwerte überprüfen zu lassen.

 

In der Pubmed findet man zahlreiche Nephrocalcinosen unter hochdosiertem VitD auftretend: diese sind immer die Folge der Kombination von VitD und Calcium-Basenpulver-Einnahme bzw. Magen-Mittel-Einnahme (Antiazida auf der Basis von Calcium-Carbonat)

 

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

2 Kommentare

  1. Eva sagt:

    zur Coimbra Warnung bezüglich Vitamin C habe ich im Buch „Heilung des Unheilbaren – Vitamin C: Die Wunderwaffe der Natur“ von Thomas E. Levy folg. gefunden:

    Vitamin C löst Kalziumablagerungen sehr leicht auf.
    Wenn man also Ablagerungen hat und das erste Mal Vit C nimmt, muss man damit rechnen, dass viel Kalzium mobilisiert wird. Das betrifft meist Patienten die über Jahre Kalziumpräparate genommen haben.
    (Kapitel Nierenerkrankungen, Seite 413ff)

    Ich denke jetzt einfach laut: in Ö und ich vermute in D wurde und wird viel Kalzium verschrieben (so eine „hirnlose“ Kombi mit 1.200 mg Kalzium und 800 iE D3 als „Osteoporoseprophylaxe“). Eventuell ist das in anderen Ländern/z.B. Brasilien nicht der Fall. Das wäre auch eine Erklärung, warum jahrelang nichts passiert ist und die Fälle jetzt plötzlich auftauchen.

    Wenn ich das für mich „übersetze“ hieße das für alle, die bis dato kein Vit C nehmen:
    1. „Entkalken“ bzw. „Entkalziumifizieren“ (jawoll, das Wort gibt es nicht, aber ich hab es grad gebraucht 😉 also mit Vitamin C starten (langsam einschleichen und dann hochfahren). Vit C als BASIS-supplement nehmen und im Infektfall hochfahren (nicht zwischendurch immer wieder aufhören).
    2. Relevante Werte checken lassen (US Niere, US Gefäße, GFR…)
    3. dann erst Coimbra Protokoll starten

    Liebe Grüße
    Eva

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