chronische Borreliose: blockiertes Immunsystem und gehemmte Antikörperbildung

eine erstaunliche Studie aus dem Jahr 2003 zeigt, dass LPS-Fraktionen aus Borrelien wichtige Immunzellen „lähmen“ so dass es zu keiner Immunantwort kommen kann.

 

chronische Lyme-Patienten: keine ordentliche Immunantwort

bereits 2001 konnte Dieterich feststellen, dass bei chronisch Borreliose erkrankten die Zytokin-Antwort der auf bakterielle Reizsubstanz (Lipopolysaccharid) auf 30% reduziert war. Die mangelhafte Reaktion mit den üblichen Zytokinen (TNF-Alpha und INF-gamme) war die Folge einer erhöhten Ausschüttung des Immunsuppressiven Zytokins IL10 (FullTextPDF)

Interleukin-10 ist auch bei der Immuntoleranz gegen Krebs mitbeteiligt. Krebs erzeugt ein Krebs-tolerantes Milieu im Organismus, sodass die Killer zellen den Krebs schön brav ignorieren. Eventuell sind hier Borrelien ebenfalls mitbeteiligt?

im Jahr 2003 hat dieselbe Konstanzer Arbeitsgruppe dann zeigen können, dass sowohl lebende Borrelien wie auch abgetötete Fraktionen (Lysate, Ultraschall-fraktioniert) die massgeblichen Immunzellen in ihrer immunologischen Reaktions-Bereitschaft abschwächt, sodass sie bei einem zweit-Kontakt mit Borreliose-Bestandteilen nicht mehr reagieren.

Borrelien IL10 - Dieterich 2003n dieser Studie wird der genaue Mechanismus der Immun-Suppression durch Borrelien aufgeklärt: der Rezeptor für das „angeborene unspezifische Immunsystem“ TLR2 wird so manipuliert, dass die Immunzellen Interleukin-10 ausschütten, welches Immuntoleranz bzw. Hypo-Immunität bewirkt.

Der Effekt ist heftig und fast unglaublich, der Körper beginnt Borrelien völlig zu tolerieren und baut keine Immunität mehr dagegen auf (siehe Studie FullTextPDF)

Dies erklärt wohl die CD57 Depression wie auch die fehlende Antikörper-Produktion bei den chronischen Lyme-Fällen, die nach bzw. während einer erfolgreichen Therapie erstaunlicherweise kräftig ansteigen können.

GRAFIK rechts: im Vergleich zur Kontrolle (erste Säule) keine Reaktion = fehlende Zytokin-Ausschüttung nach zweit-Stimulation der Immunzellen mit Borrelien (Lysat).

 

Erschütternd: diese wichtige Immun-suppression durch Borrelien blieb praktisch 10 Jahren unerforscht

eigentlich ist die IL-10 Ausschüttung durch Borrelia-Extrakte der Schlüssel zum Verständnis der chonischen Borreliose sowie der fehlenden Antikörper-Bildung (> 60% der chron. Borreliose-Fälle werden fehl-diagnostiziert durch negative ELISA-Tests).

Wenn man die Pubmed weiter nach den spezifischen Suchbegriffen untersucht, finden sich insgesamt nur 9 Studien zum Thema Immunsuppresion durch Borrelien, völlig abstrus angesichts dieser häufigen und häufig auch verstümmelnden schweren chronischen Erkrankung!

Sucht man die Pubmed nach IL-10 x Borrelien ab, findet man im Jahr 2013 eine Studie, welche die Thematik exakt wiederholt: Borrelien bewirken eine suppression vieler Immunfunktionen des angeborenen und auch erworbenen Immunsystems: Zytokin-Ausschüttung, Phagozytose, Antikörperbildung …..  (FullTextPDF)

 

Hirnzellen werden durch Borrelien umprogrammiert um ebenfalls Immunsuppresion zu bewirken

Aus dem Jahr 2006 stammt die letzte bedeutungsvolle Studie zu diesem Thema: die Stütz-Zellen des Hirns (= Hirn-Bindegewebe = Glia) bilden nach Kontakt mit Borrelien Interleukin-10 und hemmen damit ebenfalls das Immunsystem.

Das heisst, ein Borrelien-Infiziertes Gehirn verhindert AKTIV, dass Immunzellen Antikörper bilden oder die Borrelien ausrotten.

T-Regulatorische Zellen werden von Borrelien versklavt zur Immunsuppresion

noch spannender ist ein Effekt, den die Borrelien bewirken, welcher noch mehr an KREBS erinnert! Auch im Krebs werden die Tregs versklavt und bremsen das Immunsystem durch IL-10 und TNF-ß aus, schicken es schlafen.

Ein Membran-Protein der Borrelien namens NapA kann die Tregs im Hirn so modulieren, dass sie ebenfalls IL-10 und TNF-ß ausschütten, was die Umprogrammierung der Mikroglia (Hirn-Stütz-Zellen, siehe weiter oben) mit IL-10 Ausschüttung und Immunsuppresion noch akzentuiert! Studie 2013

 

 

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

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