ärztliche Kollegen

Arzt negativ und skeptisch eingestelltAnlass dieses Artikels war der Umstand, dass ich durch einen angetrunkenen ärztlichen Kollegen aus heiterem Himmel beschimpft wurde:

  • du meinst du kannst alles heilen, ich hab hunderte deiner Patienten denen es schlecht geht
  • du sprichst die ganze Zeit nur von irgendwelchen Erfolgen, das ist alles nur Angeberei und Wichtigtuerei
  • wegen dieser ständigen Aufschneiderei mag dich keiner der Kollegen, desswegen wirst du auch nirgends eingeladen 
  • wo steht das, in welcher Studie ist das, wo wurde das publiziert
  • deine Studien kannst du vergessen, wo und was, mit Studien kann man sowieso alles beweisen
  • ……

Tatsächlich stimmt es: wenn wir Kollegen zusammensitzen wird oft professionell geredet. Wir sprechen über Erkrankungen und Behandlungen die uns beschäftigen weil wir nicht das gewünschte Ergebnis zusammenbringen, oder weil etwas unerwartetes passiert ist: 

zB: Herzinfarkte die sich hinter den Symptomen einer Darmgrippe verstecken, komische atypische Pneumonien die nicht auf Antibiotika ansprechen usw usf

Dabei erlaube ich mir – genauso wie alle anderen an der Diskussion beteiligten Kollegen – selber auch meinen Beitrag abzuliefern:  „probier doch in so einem Fall xxxx, bei mir in der Praxis hat dies super funktioniert. Ich hab das aus dem Buch von Dr. xxxx yyyy, das funktioniert tatsächlich und ist eigentlich ganz einfach„.

Ich halte ja nichts zurück, schreibe das meiste von mir Recherchierte sogar auf der Website zusammen um anderen die Arbeit zu ersparen. 

Ich komme ja aus der Universitären Grundlagenforschung. Da war es tägliches Brot schwierige Sach-Fragen zu diskutieren, Lösungen zu suchen und zu erarbeiten. Gegenseitiges Teilen, ein Geben und Nehmen von Information war Ehrenkodex.

Wenn jemand eine effektivere Lösung für ein Problem, einen Arbeitsschritt, eine Vorgehensweise, eine Technik hatte, wurde dies sofor geteilt und publiziert, damit alle davon profitieren. Es ging immer nur um „den Fortschritt“, um „die Sache“ um „das Wissen“. Überprüfen war selbstverständlich, Teilen und andere am Fortschritt teilhaben zu lassen Ehrensache und grundlegend! 

So ist es also selbstverständlich, wenn ich über meine Recherchen in Pubmed und mit Patienten wertfrei berichte. Jedem bleibt es überlassen dies zu überprüfen, das ist „wissenschaftlicher Fortschritt“.

 

 

Zeit meines Lebens ist die Reaktion von 95% der ärztlichen Kollegenschaft ähnlich: Schweigen, Wegblicken, Thema wechseln.


 

Hier auf dieser „Sammelseite“ sammle ich in Hinkunft besonders krasse Beispiele für eigenwillige ärztliche Erfahrungs-Bereitschaft sowie meine Interpretationen. Möge es Betroffenen helfen die Eigentümlichkeiten dieses Berufes zu verstehen.

 

Infusions-BeutelPatientin versteht Spital nicht

Heute war eine Patientin da: 50j mit Ovarial-Karzinom, sie bekommt von mir zur Chemotherapie u.a. Ernährungsratschläge, Detox-Anweisungen und die „Paracelsus-Infusionen“, welche ich in der Paracelsus-Klinik in der Schweiz erlernt habe.

Es geht ihr – gottseidank  – ausgezeichnet, sie hat auch immer noch fantastische Blutwerte.

Im Vöcklabrucker Krankenhaus / Onkologie freut man sich zwar sehr über ihr Wohlbefinden und die tollen Blutwerte, aber – so beklagt sie und ist perplexiert:

wenn sie im Krankenhaus nämlich hinweist, dass sie selber etwas dazu beiträgt ist die Reaktion des Fachpersonals für sie – als  Betroffene – ganz unerwartet:

anstatt sie zu fragen, was sie denn nun beiträgt, wieso es ihr trotz derselben starken Chemo-Behandlung – im Gegensatz zu anderen onkologischen Patienten – so viel besser geht , redet man ihr jedesmal als Antwort nur zu „freuen sie sich nicht zu früh, sie werden sehen, das wird alles viel schlechter werden“. 

Diese Reaktion frappiert sie, stört sie. So als ob „das System“ gar kein Interesse hätte, dass es den Patienten gut geht, meint sie.

autismus, BurnOutKommentar Retzek: tatsächlich habe ich diese oder ähnliche Kritik am Spital schon sehr oft von den Patienten vernommen.

Um dies für die Patienten verständlich zu erklären: meine Kollegen sind alle am/im BurnOut:

professionelles Mitgefühl auf Knopfdruck mit fehlender innerer Beteiligung ist hier völlig normal, ein kurzes Aufschwulken von Interesse wird sofort durch den Alltags-Stress weggewischt.

Wer im System arbeitet, kann und darf nur das tun, was das System vorschreibt und erlaubt. Dies ist auf der Onkologie die Chemo. 

Ernährung, Support, Best Care usw sind zwar vielgebrauchte Schlagworte, die jedoch nicht gelebt werden (können), da die gesamte Kapazität in der Bewältigung der Standard-System-Vorgaben aufgebraucht wird.

Wenn man sowieso nichts am System ändern oder substantielles beitragen kann sondern nur Erfüllungsgehilfe ist, verschwindet die Lust etwas neues zu hören. Besonders wenn dies in tw. Widerspruch mit den eigenen Vorgaben steht.

Wir lernen nichts drüber. Wir haben keine Zusatzausbidlungen drüber. Tatsächlich hören wir das Gegenteil von Fachleuten „Vitamine sind schädlich“, „Ernährung ist Blödsinn“ ….. , Fachleute für Chemo, die keinerlei Ausbildung und Erfahrung mit Vitaminen und Ernährung, mit Support und Best Care haben. 

Mein Freund und Kollege Dr. Wolfgang Wiesmayr, einer der erfahrendsten Palliativmediziner des Landes, kann Bände über seine negativen Erfahrungen mit Fachabteilungen und deren Beratungs-Resistenz hinsichtlich simpelster Vorgehensweisen füllen.

Um „neues“ in Fachabteilungen zu etablieren, bräuchte man sehr viel Argumentations-Zeit und Freiraum, was einfach im Spitalsbetrieb nicht vorhanden ist.

Patienten müssen einfach verstehen, dass es für jede Spezialität auch Spezialisten benötigt:

Wir haben Chemo-Spezialisten, wir haben Punktions-Spezialistten, wir haben Laparoskopie-Spezialisten und Bronchoskopie-Spezialisten, wir haben Radiotherapeuten, Radiologen und Radio-Interventions-Spezialisten. 

All diese Spezialisten beherrschen ihr Fach-Handwerk hervorragend und kennen genau „State of Art“ der etablierten Fach-Disziplin. 

Daher sind deren Aussagen zu „Best Care“, „Best Support“, „Palliativ“, „Additiv“ – zu Dingen wie Ernährung, Unterstützung, Ganzheits-Agenden usw. keine Fachmeinungen sondern nur allgemeine Meinungen ohne Wissens-und Erfahrungs-Hintergrund.

Der Stress erlaubt nicht dieses Wissen zu erlernen, das System erlaubt es nicht dieses neue Wissen zu erproben: müssten wir an Patienten möglichst Vollwertige und Vitaminreiche Ernährung abgeben, ginge dies weder logistisch noch aus Kostengründen.

Wieso es allerdings so ist, dass zusätzliche Verwendung wissenschaftlicher, ganzheitsmedizinischer, komplementärmedizinischer Vorgehensweisen – seien sie noch so gut begründbar – nicht als eigene Fachdisziplin angesehen werden kann sondern in einer hasserfüllten Abwehr enden, ist mir nicht begreifbar. 

Auch ich hab das was ich diesbezüglich gelernt habe in Kursen, Fortbildungen, aus Büchern und v.a. von Patienten gelernt: ich habe mir alles aufgeschrieben, was mir Patienten als „hat mir wirklich gut geholfen“ erzählt haben.

Aber ich bin eben kein Arzt – ich bin eigentlich Wissenschaftler!

Sorry, das musste mal gesagt werden!

 

Schweizer Professor reagiert erwartungsgemäss

Mein Freund W ist ein „guter“ Schulmediziner reinsten Wassers. Sein Berufscredo ist v.a. Mitgefühl und Begleitung, dies macht er ausgezeichnet. Von Pharmamedizin hält er nur begrenzt etwas, von Komplementärmedizin hält er gar nichts.

Ein weltbekannter Schweizer Psychotherapeut PF war ein enger Freund von W.

Als  PF an Darmkrebs erkrankte, konnte W ihn nur begrenzt begleiten, die räumliche Distanz war zu gross. Sie telefonierten aber oft.

PF hätte sich wegen der Xeloda-Chemo fast das Leben genommen. Die bei ihm so besonders stark aufgetretenen Nebewirkungen waren unerträglich.

Der Schweizer Onkologie-Professor – ebenfalls ein Freund von PF – bestand auf diese Chemo.

Es kostete W viel Mühe und eine Fahrt in die Schweiz um PF zu zeigen, dass die Studien nur wenig Gesamt-Benefit durch Xeloda zeigten, so wenig dass dieser Suizidale Zustand als Preis für diese Therapie gar nicht angezeigt war.

PF war v.a. besorgt, da er seinen Freund, den Professor nicht kritisieren bzw. in Frage stellen wollte.

Tatsächlich blieb PF auch in den nächsten Jahren gesund.

Einige Jahre später erlitt PF heftigste Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Er konnte nichts mehr essen, blieb im Spital bei seinem Freund, den Professor. Es war klar, dass – laut Professor – der Abbruch der Xeloda-Chemo zum Rückfall des Krebses geführt hatte und Herr PF nun daran sterben würde.

Nach einem Monate im Spital durfte PF dann „zum Sterben nach Hause“.

Dr. W fuhr in die Schweiz, überprüfte alle Befunde und fand keinen sicheren Hinweis auf Krebs als Auslöser des aktuellen üblen akuten Zustandes.

Ein kollegiales Telefonat mit dem Schweizer Krankenhaus und dem Professor sowie sein Hinweis „vielleicht doch mal in den Bauch zu schauen“ wurden mit einem unfreundlichen „na dann nähhhmennn sie ihn doccchhh nach Österrrrrreich mit, wenn sie schonnnn so geschait sinnnnnt“ beantwortet.

Tatsächlich hatte PF einen Darmverschluss wegen OP bedingten Verklebungen.

W organisierte die Operation und nach dem Lösen derselben konnte PF noch einige Jahre weiterleben.

W hat ihm dies nie erzählt um die Freundschaft zw. PF und dem Professor nicht zu belasten.

 

Kommentar Retzek: selbst wenn Zelebritäten untereinander sich gegenseitig behandeln sind die Hauptanliegen Raison, Reputation, und monoton-standardisierte Vorgehensweise. Nicht einmal in diesen Fällen wird das gesamte Spektrum moderner Diagnostik und umfassendem Support in Anspruch genommen, weil fachübergreifendes Denken und Handeln im aktuellen ärztlichen Alltag kaum mehr eine Rolle spielt. Dies macht unser medizinisches Wesen so umfassend teuer und auch oft ineffizient.

 

 

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HeliR
HeliR
Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. Umfangreiche Recherchen aus der aktuellen medizinischen Forschung. Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler

1 Kommentar

  1. Ossi sagt:

    Lassen Sie sich nicht entmutigen von Ihren „Kollegen“ , sie leisten Spitzen – Arbeit. Es gibt für mich bzw. kenne ich im Moment nicht mehr Ärzte zu denen ich volles Vertrauen habe und das ist der Dr. Peter Brunner und Sie. Zahnärztlich noch die Dr Mursch Edlmayer die kennt auch einen NICO Herd.

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